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Scherer
Reimpaar aus vier Hebungen stumpf, und die Waise ist (so weit man
urtheilen kann) in der Regel klingend: das Verhältniss von Waise und
Reim also wie z. R. in der Nibelungenstrophe.
Wer den Ton MF. 3, 7 Moroltstrophe nennt, legtauf den
(wahrscheinlichen) Unterschied der Waisen kein Gewicht und fasst
die Reime darben : armen, vlizen : verletzen als zweisilbige stumpfe
auf. Das ist auch jedenfalls die Entstehung der Strophe (wenn wir
von der Waise absehen), dass in der gewöhnlichen Strophe von vier
viermal gehobenen Zeilen das erste Reimpaar regelmässig einsilbigen,
das zweite regelmässig zweisilbigen Reim bekommt. Aber
eben in dieser re ge 1 m äs s ige n Abwechslung von ein- und zweisilbigem
Reim liegt die Anerkennung des zweifachen Reimgeschlechtes,
die Entstehung des Unterschiedes zwischen männlichem und weiblichem,
stumpfem und klingendem Reim.
Die Form der Waise beruht auf der altüblichen Verlängerung
der letzten Zeile der Strophe, welche ihrerseits vielleicht aus
musikalischen Gewöhnungen hervorgegangen ist (s. Denkm S. 293).
Die verlängerte Zeile wurde durch Caesur so getheilt, dass jede
Hälfte dem regulären Masse der viermal gehobenen Zeile gleich kam.
Als Grundform der Moroltstrophe können wir demnach die gewöhnliche
vierzeilige Strophe mit verlängerter letzter hinstellen. Und
wie Strophen von vier und sechs Zeilen (zwei und drei Langzeilen) in
der volkstümlichen Reimpoesie seit ältester Zeit neben einander bestanden
(Denkm. S. 283), so dürfen wir auch eine sechszeilige
.Strophe mit verlängerter letzter ohne weiters statuiren.
Dem Tone MF. 3, 7 würde nach dem Gesagten eine Strophe zu
Grunde liegen etwa von der Form:
4 Heb. stumpf a
4 Heb. stumpf a
3 Heb. klingend b
3+a: Heb. klingend b.
Setzen wir 2 statt x, also 3 Heb., so gewinnen wir eine Grundform
(ich nenne sie Ä), die sich in abgeleiteten Gestalten tatsächlich
nachweisen lässt. Zunächst in der Strophe der Ravennaschlacht *)•
Die zweite Hälfte ist genau so geblieben wie in A. Für die erste
0 In dieser Strophe scheint auch das Gedicht von dem 'Bauer der des Edelmanns
faule Tochter und träges Pferd meisterte 1 ab gefasst: s. Docen Iduna und Herinode
1812, S. 167.