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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

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Hofier

jener  Stelle  herauskam,  die  ihm  die  Möglichkeit  gewährte,  den  Einen
Consul,  wenn  es  ihm  selbst  gefällig  wäre,  zur  Schlacht  zu  zwingen.
Als  aber  Hannibal  unvermuthet  in  die  Etrusci  campi  gekommen
war,  blieb  beiden  Consuln  nichts  anderes  übrig,  als  ihre  Stellung
so  rasch  als  möglich  aufzugeben,  sich  auf  eine  gemeinsame  Riickzugslinie
  zurückzuziehen  und  die  Deckung  des  von  Hannibal  bedrohten ­
  Rom's  zu  übernehmen.
Nun  war  aber  Hannibal  durch  seinen  beispiellos  raschen  Einbruch ­
  in  Etrurien  nicht  nur  viel  südlicher  gekommen  als  Servilius,
sondern  auch  als  Flaminius  und  hatte  er  die  Wahl,  ober  sich  über  Clusium,
  Vulsinii,  die  ciminisehen  Rerge  auf  dem  rechten  Tiberufer  nach
Rom  werfen,  oder  ob  er  die  Vereinigung  der  Consuln  hindern  wollte.
Er  wählte  letzteres,  stellte  sich  aber  begreiflich  nicht  an  der  Nordseite ­
  des  trasimenischen  Defiles  auf,  das,  wenn  er  geschlagen  wurde,
ihm  keine  Rückzugslinie  bot,  sondern  an  der  Südseite,  welche  dem
Consul  keine  Entwicklung  seiner  Streitkräfte  ermöglichte,  und  wenn
er  geschlagen  wurde,  den  sicheren  Untergang  bereitete,  ihm  selbst
aber  den  W  eg  nach  Umbrien  offen  liess.  Es  handelte  sich  um  einen
Tag,  vielleicht  um  wenige  Stunden.  Flaminius  begriff  die  Gefahr,  in
welcher  er  schwebte,  da  er  durch  HannibaPs  Vordringen  auf  den
Höhen,  die  das  Chianathal  westlich  umsäumen,  und  in  der  Richtung
nach  Clusium  nur  Eine  Rückzugslinie  mehr  besass;  Servilius  ebenso
die  seines  Collegen,  wesshalb  er  4000  Reiter  in  Eilmärschen  diesem
zusandte.  Da  warf  sich  Hannibal  dazwischen,  besetzte  den  einzigen
Punkt,  auf  welchem  der  Rückzug  möglich  war  und  nun  kämpften  die
Römer  mit  dem  Gesichte  gegen  Rom.  Wäre  der  Consul  einen  Tag
früher  aufgebrochen,  vielleicht  war  der  Pass  noch  frei.  So  fiel  er
und  ward  sein  Heer  vernichtet  und  die  4000  Mann  des  Proprätors
Centenius  ebenso.
Letzteres  ist  aber  von  viel  grösserer  Wichtigkeit,  als  man  diesem ­
  Ereignisse  gewöhnlich  beilegt.  Die  Vereinigung  der  beiden  Consularheere
  war  sehr  nahe,  der  Vortrab  des  Consul  Servilius  im  vollen ­
  Anmarsche  begriffen,  um  sich  mit  Flaminius  zu  verbinden.  War
letzterer  nach  Perusia  gekommen,  so  hatte  er  die  Strasse  erreicht,
auf  welcher  sein  College  herbeizog.  Die  angebliche  Ueberstürzung
des  Flaminius,  welcher  übrigens  einen  so  wichtigen  Waffenplatz  als
Arezzo  war,  nicht  so  geradewohl  Preis  geben  durfte,  löst  sich  in
das  Entgegengesetzte  auf.  Nicht  dass  er  rasch  abzog,  war  sein
            
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