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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

Über  Hannibal’s  Zug  nach  Etrurien.  217  n.  Ch.

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als  er  dieses  nicht  erlangt,  nach  Picenum  zog,  wird  aus  dieser  Darstellung ­
  Niemanden  klar  werden.  —  Wohl  aber  ist  begreiflich,  dass,
wenn  Hannibal  den  Plan  gefasst  hatte,  auf  dem  linken  Tiberufer  nach
Rom  zu  rücken,  wie  es  früher  die  Gallier  gethan  hatten,  er  Spoleto
nicht  im  Rücken  lassen  durfte.  Tliat  er  es  dennoch,  so  musste
er  Gefahr  laufen,  dass  Servilius  sich  dahin  warf  und  ihrn  der  Rückzug ­
  abgeschnitten  wurde.  Gewann  er  aber  Spoleto,  so  hatte  er  einen
Stützpunkt  für  weitere  Operationen.  Er  konnte  Magazine  anlegen,
wozu  ihm  Umbrien,  Picenum  und  Etrurien  die  Vorräthe  lieferten;  er
beherrschte  die  obere  Tiber  mit  ihren  Zuflüssen  und  sperrte  diese
für  Rom  ab.  Er  hatte  nicht  Ursache,  den  fahrenden  Ritter  in  Süditalien ­
  zu  spielen  und  sich  mühsam  durch  die  zahlreichen  Colonien
zu  winden,  welche  alle  Flussübergänge  und  Küstenplätze  beherrschten. ­
  Er  konnte  den  Angriffsplan  direct  gegen  Rom  kehren  und  den
Endzweck  erfüllen,  wesshalb  er  vom  Norden  hereingebrochen  war.
Gerade  das  Beispiel  des  Pyrrhos,  welcher  vom  Süden  kommend,
nichts  gegen  Rom  ausrichtete,  konnte  Hannibal  belehren,  den  Kampf
mit  Rom  von  der  Nordseite  zu  versuchen.  Erst  das  Missgeschick  von
Spoleto,  die  magna  clades,  von  welcher  Livius  spricht,  bewirkte,
dass  Hannibal  im  weiten  Bogen  sich  nach  Apulien  wandte,  um  hier
einen  anderen  Stützpunkt  zu  suchen,  nachdem  er  die  wichtigste
arx  belli,  deren  Besitz  den  ganzen  Krieg  verändert  hätte,  zuvor  mit
aller  Heftigkeit  bekämpft,  aber  nicht  hatte  erobern  können.  Was
sonst  an  der  Darstellung  Peter’s  irrig  ist,  braucht  hier  nicht  weiter
hervorgehoben  zu  werden.
So  stellen  sich  die  folgenden  Thatsachen  heraus:  die  Absicht
Hannibal’s  bei  Eröffnung  des  Feldzuges  von  217  war,  die  Heeresaufstellung ­
  der  Consulen  bei  Ariminum-Arretium  zu  umgehen  und  die
zweite  Vertheidigungslinie  Rom's  unwirksam  zu  machen.  Hiebei
waren  mehrere  Möglichkeiten  vorhanden.  Er  konnte  die  Consuln  von
Rom  absclmeiden  und  auf  dem  rechten  Tiberufer  mit  einem  ganzen
Feuerstrom  gegen  Rom  rücken.  Er  konnte  die  Consuln  zum  raschen
Rückzuge  zwingen.  Immer  aber  war  die  Hoffnung  vorhanden,  dem
Einen  den  Weg  zu  verlegen,  ihn  zur  Schlacht  zu  nöthigen,  zu  vernichten, ­
  ehe  der  Andere  aus  weiter  Ferne  herbeieilte.
Er  umging  wirklich  die  Positionen,  als  er  in  hinlänglich  weiter
Entfernung  von  dem  am  weitesten  gegen  Westen  vorgeschobenen
Flaminius  den  Apennin  überstieg  und  nun  im  Wasser  fortwatend,  an
            
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