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H ö f I e r
dro (vor Passignano) übernachten, was gar keinen Sinn hatte. Denn
Hannibal in das Defile nachzufolgen, wo alle Vortheile der Lage für
den Gegner waren, konnte denn doch keinem. Manne von gesunden
Sinnen einfallen. Man wüsste auch in der That nicht, wer von beiden
unbeholfener gewesen wäre, Hannibal, der sein Heer im Flankenmarsche
vor der Nase des Consuls vorüberführt, wovon Polyhius und
Livius nichts wissen, oder Flaminius, der ihn nicht angreift, nicht verfolgt,
dann aber plötzlich ihm nachgeht und sich im Defile überfallen
lässt. Warum ist denn Flaminius nicht nach Clusium ausgebogen, wo
er dann vor Hannibal die Strasse nach Rom auf dem rechten Tiberufer
erreichte? Von dem Versuche, Spoleto zu gewinnen, berichtet Liddell
gar nichts, sondern nur, dass Hannibal in Picenum verweilte.
Nach Mommsen wollte Flaminius von Arezzo zur Deckung des
Arnothaies und der Apenninpässe etwa nach Lucca abrücken, eine
Ansicht, zu welcher uns alle Anhaltspunkte fehlen. Man sieht seihst
gar keinen vernünftigen Grund ein, warum Flaminius seine vortreffliche
Stellung hei Arezzo und die Fühlung mit Servilius aufgeben
sollte! Hannibal, heisst es, kam ihm zuvor. Der Apenninübergang
fand in möglichst westlicher Richtung statt, eine Annahme, welche
innerlich viel begründeter ist, als die entgegengesetzte, welche eine
Überraschung des Flaminius unmöglieh gemacht hätte. Hannibal
lagerte bei Fiesoie. Dieses ist irrig und wird von Niemanden behauptet,
da Fiesoie auf der Höhe am rechten Arnoufer liegt und Hannibal
seinen Truppen erst Rast gönnte, als sie die gefährliche Sumpfund
Wasserpartie hinter sich hatten. Lagerte er sich aber bei Fiesole,
so erfuhr Flaminius zu früh sein Vorhaben und konnte ihm
selbst den Übergang über den Arno streitig machen. Namentlich
wenn er selbst die Absicht hegte bis Lucca vorzurücken, dann standen
seine Vorposten denn doch wohl bei Fiesoie. Was sollte er aber
in Lucca thun, wo er selbst die Sümpfe im Rücken gehabt hätte?
über Pistoja hätte umgangen werden können? Mommsen lässt nun
Hannibal an Arezzo vorüber, langsam (!) durch das reiche Chianathal
gegen Perugia marschiren; sicher war aber das Chianathal damals
noch ein Sumpf und das langsame Marschiren existirt nur in der
Vorstellung des deutschen Geschichtschreibers. Flaminius erreicht
ihn in der Gegend von Cortona, wo Hannibal genau unterrichtet von
dem Marsche seines Gegners volle Zeit gehallt batte; sein Schlachtfeld
zu wählen, ein enges Defile zwischen zwei steilen Bergwänden,