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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

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H  ö  f  I  e  r

dro  (vor  Passignano)  übernachten,  was  gar  keinen  Sinn  hatte.  Denn
Hannibal  in  das  Defile  nachzufolgen,  wo  alle  Vortheile  der  Lage  für
den  Gegner  waren,  konnte  denn  doch  keinem.  Manne  von  gesunden
Sinnen  einfallen.  Man  wüsste  auch  in  der  That  nicht,  wer  von  beiden
unbeholfener  gewesen  wäre,  Hannibal,  der  sein  Heer  im  Flankenmarsche ­
  vor  der  Nase  des  Consuls  vorüberführt,  wovon  Polyhius  und
Livius  nichts  wissen,  oder  Flaminius,  der  ihn  nicht  angreift,  nicht  verfolgt, ­
  dann  aber  plötzlich  ihm  nachgeht  und  sich  im  Defile  überfallen
lässt.  Warum  ist  denn  Flaminius  nicht  nach  Clusium  ausgebogen,  wo
er  dann  vor  Hannibal  die  Strasse  nach  Rom  auf  dem  rechten  Tiberufer
erreichte?  Von  dem  Versuche,  Spoleto  zu  gewinnen,  berichtet  Liddell
gar  nichts,  sondern  nur,  dass  Hannibal  in  Picenum  verweilte.
Nach  Mommsen  wollte  Flaminius  von  Arezzo  zur  Deckung  des
Arnothaies  und  der  Apenninpässe  etwa  nach  Lucca  abrücken,  eine
Ansicht,  zu  welcher  uns  alle  Anhaltspunkte  fehlen.  Man  sieht  seihst
gar  keinen  vernünftigen  Grund  ein,  warum  Flaminius  seine  vortreffliche ­
  Stellung  hei  Arezzo  und  die  Fühlung  mit  Servilius  aufgeben
sollte!  Hannibal,  heisst  es,  kam  ihm  zuvor.  Der  Apenninübergang
fand  in  möglichst  westlicher  Richtung  statt,  eine  Annahme,  welche
innerlich  viel  begründeter  ist,  als  die  entgegengesetzte,  welche  eine
Überraschung  des  Flaminius  unmöglieh  gemacht  hätte.  Hannibal
lagerte  bei  Fiesoie.  Dieses  ist  irrig  und  wird  von  Niemanden  behauptet, ­
  da  Fiesoie  auf  der  Höhe  am  rechten  Arnoufer  liegt  und  Hannibal ­
  seinen  Truppen  erst  Rast  gönnte,  als  sie  die  gefährliche  Sumpfund
  Wasserpartie  hinter  sich  hatten.  Lagerte  er  sich  aber  bei  Fiesole,
  so  erfuhr  Flaminius  zu  früh  sein  Vorhaben  und  konnte  ihm
selbst  den  Übergang  über  den  Arno  streitig  machen.  Namentlich
wenn  er  selbst  die  Absicht  hegte  bis  Lucca  vorzurücken,  dann  standen ­
  seine  Vorposten  denn  doch  wohl  bei  Fiesoie.  Was  sollte  er  aber
in  Lucca  thun,  wo  er  selbst  die  Sümpfe  im  Rücken  gehabt  hätte?
über  Pistoja  hätte  umgangen  werden  können?  Mommsen  lässt  nun
Hannibal  an  Arezzo  vorüber,  langsam  (!)  durch  das  reiche  Chianathal ­
  gegen  Perugia  marschiren;  sicher  war  aber  das  Chianathal  damals
noch  ein  Sumpf  und  das  langsame  Marschiren  existirt  nur  in  der
Vorstellung  des  deutschen  Geschichtschreibers.  Flaminius  erreicht
ihn  in  der  Gegend  von  Cortona,  wo  Hannibal  genau  unterrichtet  von
dem  Marsche  seines  Gegners  volle  Zeit  gehallt  batte;  sein  Schlachtfeld ­
  zu  wählen,  ein  enges  Defile  zwischen  zwei  steilen  Bergwänden,
            
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