Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

146

Z  i  n  g  e  r  I  e.

hutsamer  aus  und  schreibt,  dass  der  ungenannte  Dichter  des  Passionais ­
  wahrscheinlich  auch  das  Lehen  der  Altväter  poetisch  bearbeitet ­
  habe  ').
Pfeiffer  beruft  sich  zur  Begründung  seiner  Annahme  darauf,
dass  gleich  der  Eingang  unseres  Werkes  ganz  in  der  Weise  des
Passionais  gedichtet  sei  und  fährt  dann  fort:  „In  diesen  Auszügen
in  Tittmanns  Beiträgen  und  in  den  von  Roth  mitgetheilten  Bruchstücken ­
  begegnen  uns  nun,  neben  völliger  Übereinstimmung  der
Sprache,  viele  Reime,  Ausdrücke  und  Redensarten,  die  wir  auch  im
Passional,  und  zumTheile  nur  da  finden,  suns:  uns  (Pass.  3,36);  versmät,
  versmän;  zien:  vlien;  tun:  sun;  nä:  da;  hö:  also;  vart:  gekart;
vfanden:  bestanden  (Legenden  5,  22)  :  verirret:  gevirret  (Legenden
21,  157):  bede:  vede:  (Pass.  155,  51.  178,  73);  gevult:  schult
u.  s.  w.  Wörter  wie  knote  (Pass.  162,21.  Leg.  25,477);  furbrechen;
grob,  grobelich;  die  erge  (Pass.  163,80);  erwante:  volante;  hoffen;
ungehirme  (Pass.  335,73)  Ösen  (Pass.  271,5)  verladen;  niderslac:
furtragen;  unvrume;  die  späte  (Leg.  24,339);  entseben  häufig,  die
unvlät;  prisant  (Pass.  163,11);  enbinnen;  vorsatz;  widersatz;  furwart.
  Redensarten  wie:  sich  ahe  tun;  sines  lebens  louf  verzern;  des
selben  ist  ouch  mir  gedacht;  in  einer  guten  vriheit;  uz  den  brudern
er  sich  nam;  durch  die  gutes  hulde  täten  si  sich  genzlich  abe  der
werlde  und  werltlicher  habe  in  einer  heizen  rüwe.  si  suchten  gotes
trüwe  und  begäben  sich  durch  got  zu  leisten  vurwart  sin  gebot;  dö
er  wart  geruret  mit  des  tüvels  bolzen:  im  half  nicht  al  sin  stolzen
(Pass.  240,43:  nach  lustlichem  stolzen,  von  dises  tüvels  bolzen  quam
üf  in  so  manic  schuz).  Sollten  die  hier  aus  etwa  1000  Zeilen  (das
ganze  Gedicht  umfasst  30,000  Zeilen!)  angemerkten  Stellen  nicht
genügen,  so  können  wir  noch  ein  entscheidenderes  Merkmal  anführen.
Zu  den  Marienlegenden  22,82  und  25,79  haben  wir  bereits  bemerkt, ­
  dass  der  Verfasser  des  Passionais  es  liebe,  hie  und  da  im  Texte
(nicht  am  Schlüsse  von  Abschnitten!)  Paare  von  drei  gleichlautenden
Reimen  sich  folgen  zu  lassen.
Dieser  Eigenthiimlichkeit,  die  wir  bei  keinem  Dichter  sonst
wahrgenommen  haben,  begegnen  wir  auch  hier.  (Beiträge  S.  32,  33,
vergl.  Pass.  385,  52-—57).  In  dieser  Stelle  liegt  (auch  abgesehen
von  der  Übereinstimmung  in  der  ganzen  Behandlung,  für  sich  allein

Grundriss  I,  76.  Mittelalter  208.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.