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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 63. Band, (Jahrgang 1869)

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M  i  k  1  o  s  i  c  h

viel  besser  als  ein  menschlicher  Körper  ohne  Hand.  Und  dieser  einzige ­
  Umstand  beweist  noch  viel  deutlicher  als  selbst  die  Sprüche  Porphyrogennetus,
  dass  eine  grosse,  allgemeine,  Mark  und  Leben  verwandelnde ­
  Revolution  über  das  hellenische  Volk  gekommen  sei.
Noch  hat  dieses  Sprachphiinomen  keine  genügende  Erklärung  gefunden. ­
  Hobhouse  möchte  zwar  die  Schuld  beinahe  auf  die  türkische
Eroberung  werfen.  Aber  die  Türken  haben  den  Infinitiv  und  gebrauchen ­
  ihn  selbst  mit  einer  Art  Luxus  in  Schrift  wie  in  gemeiner
Rede.  Auch  die  byzantinische  Schriftsprache  hat  das  Kleinod  bis
zum  Untergang  des  Reiches  selbst  im  niedrigsten  Stile  bewahrt.
Heute  aber  betrachtet  das  griechische  Volk  sein  „vä  oouiUOaw“  gleichsam ­
  als  Nationalgut  und  widersetzt  sich,  wie  selbst  gelehrte  Athener
versichern,  standhaft  der  Wiedereinführung  des  natürlichen  alten
Modus.  Der  Instinkt  redet  aus  dem  Volke;  „vä  oovlsvaw“  ist  sein
Väterliches  Erbe,  aus  dem  es  sich  nicht  vertreiben  lassen  will.  Es
ist  der  „slavische“  Infinitiv,  wie  ihn  die  Einwanderer  aus  der  nördlichen ­
  Zone  nach  Illyrikum  verpflanzt  und  in  Hellas  eingebürgert
haben.  Denn  „ne  mogu  da  radim“  „ich  kann  nicht,  dass  ich  arbeite“,
sagen  sie  ebenfalls  im  slavisch  redenden  Macedonien  und,  nie  ich
höre,  in  allen  Provinzen  des  illyrischen  oder  Süd-Donauslaventhums.
Das  moderne  „vä  oouAsüffoj“  wäre  also  gleichsam  eine  Nachbildung,
eine  Übertragung  des  Siidslavischen  oder,  wenn  man  will,  des  bulgarischen ­
  Infinitivs  in  das  neugriechische  Volks-  und  Kirchenleben,
wäre  gleichsam  der  Preis,  um  welchen  das  Volk  nach  seiner  Bekehrung
  den  scythisehen  (slavischen)  Accent  gewechselt  und  auf
den  Altären  des  neuen  Byzantiuerglaubens  geopfert  hat.“  Diese
Darstellung  Fallmerayer’s  ist  unrichtig.  Die  Anwendung  einer  finiten
Verbalform  mit  einer  Conjunetion  statt  des  Infinitivs,  wohlgemerkt,
auch  dann,  wenn  beide  Verba  dasselbe  Subject  haben,  hat  das  bulgarische, ­
  wie  anderes,  beispielsweise  die  Stellung  des  Artikels  hinter
dem  zu  bestimmenden  Nomen,  mit  dem  Albanischen  gemein.  Wenn
wir  nun  wahrnehmen,  dass  alle  übrigen  slavischen  Sprachen  den
Infinitiv  besitzen,  so  werden  wir  zu  dem  Schlüsse  berechtigt,  dass
das  Neugriechische  diese  syntaktische  Eigenthümliehkeit  nicht  dem
Bulgarischen  verdankt,  sondern  dass  beide  Sprachen  diese  Erscheinung ­
  von  einer  dritten  entlehnt  haben,  welche  auch  sonst
auf  sie  einen  unverkennbaren  Einfluss  geübt  hat.  Es  ist  dies  die
albanische,  welche  im  toskischen  weder  im  Epirus  noch  in  Italien
            
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