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Ved^nta-s^ra. 47
deren leitendes Prinzip es ist, dass die höhere geistige Kraft die
schwächere nicht zerstört, sondern in sich aufnimmt und umbildet.
Prüft man hierbei die Rollen, welche die einzelnen Nationen in
der Geschichte gespielt haben, so wird man zu der Annahme gezwungen,
dass unter ihnen in Bezug auf geistige Begabung nicht nur
ein qualitativer, sondern auch ein quantitativer Unterschied
statttindet, wie bei Individuen derselben Familie; dies hindert jedoch
nicht Alexander v. Humboldt's Ansicht von der moralischen
Gleichwürdigkeit aller Nationen, wie verschieden auch ihr
Standpunkt auf der geistigen Stufenleiter sein mag, in ihrem ganzen
Umfange anzuerkennen.
Wenn uns nun die Resultate der vergleichenden Sprach-Wissenschaft
die Zusammengehörigkeit und innige Stammes-Verwandtschaft
der arischen Völker in Betreff der Sprachen, d. h. der unmittelbarsten
und wahrhaftesten Formen des Geistes, beweisen, so liegt darin
gleichzeitig die Erklärung für jene Übereinstimmungen in Bezug auf
den Inhalt oder die Erzeugnisse des Geistes. Daher sehen wir denn
auch, dass es dieselben Fragen sind, welche die Denker an den Ufern
des Ganges oder in den Wäldern Indiens, in der Akademie zu Athen
oder in den Stätten der Forschung in der christlichen Welt beschäftigen
und wie ein mächtiges Echo durch die ganze Geschichte dringen.
Trotz aller Verwandtschaft derStammesglieder, sind aber scharfe
Gegensätze keineswegs ausgeschlossen, sie dienen vielmehr dazu,
das Gemälde reicher und ausdrucksvoller zu machen.
Man vergleiche die Indier und Griechen, beide von arischem
Stamme und an geistiger Begabung vollkommen ebenbürtig, und sehe
wie sie in Bezug auf gewisse Fragen, z. B. die der Persönlichkeit in
polarischem Gegensätze stehen; in Indien galt als höchste Aufgabe
die Vernichtung derselben, das Vertilgen alles Individuellen, in
Griechenland dagegen erstrebt man die Verherrlichung, ja im eigentlichsten
Sinne die Vergötterung, denn der griechische Gott ist der
potenzirte Mensch. Und wie fruchtbar und heilbringend ist dieses
Streben für uns geworden! — Dadurch, dass Griechenland den Menschen
als das Maass der Dinge setzte, gab es uns die wahre Kunst
als Religion der Schönheit. Indien hat nie über die Symbolik hinauskommen
können, weil das Schrankenlose seines Gottesbegriffs sich
aller Darstellung entzog. Und dennoch finden wir mitten in der harmonischen
Lebensansicht der Griechen Stimmungen, die aus der