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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 63. Band, (Jahrgang 1869)

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der  verschiedenen  Nationen  zu  einander  festzustellen.  So  paradox
es  auch  klingen  mag,  so  wahr  ist  es  dennoch,  dass  wir  über  uns
selbst  erst  im  Klaren  sind  und  wissen,  woher  wir  kommen,  seit  wir
Indien  kennen  gelernt  haben.  Die  historische  und  philosophische
Wichtigkeit  dieser  neuen  geistigen  Eroberung  liegt  daher  nicht  nur
in  dem  Gewinn  einer  bisher  unbekannten  Sprache  und  Literatur,
sondern  auch  darin,  dass  wir  in  der,  durch  die  Kenntniss  des
Sanskrit  ermöglichten  und  vor  fünfzig  Jahren  von  Bopp  begründeten,
vergleichenden  Sprachwissenschaft  den  Schlüssel  zum  Verständniss
der  innern  Ökonomie  des  in  der  Geschichte  der  Völker  sieh  offenbarenden ­
  Geistes  gefunden  haben.  In  dieser,  wenn  auch  noch  jungen,
doch  an  Resultaten  schon  reichen  neuen  Wissenschaft  besitzen  wir
jetzt  eine  bis  dahin  fehlende  Sonde,  welche  bei  der  Erforschung
vorhistorischer  Zustände  noch  die  grössten  Dienste  leisten  wird.
Von  diesem  Gesichtspunkte  aus  erscheint  die  Geschichte  nicht
mehr  als  eine  Summe  zufälliger  Erscheinungen,  sondern  als  logische
Entwickelung  eines  in  der  Menschheit  niedergelegten  Keimes,  der
sich  in  fortwährender  Steigerung  oder  Erhebung  zu  grösserer  Fülle
entfaltet.  Die  Religionen,  Philosophien,  Wissenschaften  und  Künste
der  einzelnen  Nationen  deuten  uns  die  Höhepunkte  oder  Grade  an,
welche  die  Gattung  erreicht  hat.
Die  Völker  des  arischen  Stammes  bilden  die  eigentliche  Achse
der  Geschichte,  denn  seit  3000  Jahren  haben  sie  sich  die  Führerschaft ­
  errungen  und  bewahrt.  Ihre  Wirksamkeit  und  ihr  Einfluss
konnten  zeitweise  durch  turanische  oder  semitische  Völker  gehemmt
oder  verdunkelt  werden,  aber  ihre  geistige  Energie  brach  sich  stets
wieder  Bahn  und  führte  sie  an  die  Spitze.  Wenn  man  eine  deutliche
Vorstellung  von  der  Bedeutung  dieses  bevorzugten  Stammes  haben
will,  so  denke  man  sich  die  Geschichte  ohne  denselben,  und  statt
eines  Gemäldes  voll  Licht,  Bewegung  und  Harmonie  wird  man  ein
düsteres  von  dunkeln  Leidenschaften  bewegtes  Bild  vor  sich  sehen,
in  welchem  der  Mensch  nicht  als  Träger  eines  reichen  Culturlebens,
sondern  nur  als  Object  der  Naturgeschichte  erscheint.  Besonders  hervorzuheben ­
  ist  aber  der  Umstand,  dass  das  Ringen  um  die  Führerschaft, ­
  insofern  daraus  eine  höhere  Culturform  hervorging,  nicht
zwischen  arischen  und  nicht-arischen  Völkern,  sondern  zwischen  den
einzelnen  Gliedern  des  arischen  Stammes  selber  stattfand.  Dieser
innere  Kampf  bildet  den  wahren  Inhalt  der  Geschichte  der  Bildung,
            
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