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der verschiedenen Nationen zu einander festzustellen. So paradox
es auch klingen mag, so wahr ist es dennoch, dass wir über uns
selbst erst im Klaren sind und wissen, woher wir kommen, seit wir
Indien kennen gelernt haben. Die historische und philosophische
Wichtigkeit dieser neuen geistigen Eroberung liegt daher nicht nur
in dem Gewinn einer bisher unbekannten Sprache und Literatur,
sondern auch darin, dass wir in der, durch die Kenntniss des
Sanskrit ermöglichten und vor fünfzig Jahren von Bopp begründeten,
vergleichenden Sprachwissenschaft den Schlüssel zum Verständniss
der innern Ökonomie des in der Geschichte der Völker sieh offenbarenden
Geistes gefunden haben. In dieser, wenn auch noch jungen,
doch an Resultaten schon reichen neuen Wissenschaft besitzen wir
jetzt eine bis dahin fehlende Sonde, welche bei der Erforschung
vorhistorischer Zustände noch die grössten Dienste leisten wird.
Von diesem Gesichtspunkte aus erscheint die Geschichte nicht
mehr als eine Summe zufälliger Erscheinungen, sondern als logische
Entwickelung eines in der Menschheit niedergelegten Keimes, der
sich in fortwährender Steigerung oder Erhebung zu grösserer Fülle
entfaltet. Die Religionen, Philosophien, Wissenschaften und Künste
der einzelnen Nationen deuten uns die Höhepunkte oder Grade an,
welche die Gattung erreicht hat.
Die Völker des arischen Stammes bilden die eigentliche Achse
der Geschichte, denn seit 3000 Jahren haben sie sich die Führerschaft
errungen und bewahrt. Ihre Wirksamkeit und ihr Einfluss
konnten zeitweise durch turanische oder semitische Völker gehemmt
oder verdunkelt werden, aber ihre geistige Energie brach sich stets
wieder Bahn und führte sie an die Spitze. Wenn man eine deutliche
Vorstellung von der Bedeutung dieses bevorzugten Stammes haben
will, so denke man sich die Geschichte ohne denselben, und statt
eines Gemäldes voll Licht, Bewegung und Harmonie wird man ein
düsteres von dunkeln Leidenschaften bewegtes Bild vor sich sehen,
in welchem der Mensch nicht als Träger eines reichen Culturlebens,
sondern nur als Object der Naturgeschichte erscheint. Besonders hervorzuheben
ist aber der Umstand, dass das Ringen um die Führerschaft,
insofern daraus eine höhere Culturform hervorging, nicht
zwischen arischen und nicht-arischen Völkern, sondern zwischen den
einzelnen Gliedern des arischen Stammes selber stattfand. Dieser
innere Kampf bildet den wahren Inhalt der Geschichte der Bildung,