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Das hiebei beobachtete Verfahren trägt den Charakter, der allen
Anfängen des Philosophirens eigen ist; das lyrische Element überwiegt
noch das dialektische und die Abstractionskraft muss vor den
Forderungen und dem Gestaltungstriebe der Imagination zurückweichen;
der Geist glaubt zunächst genug gethan zu haben, wenn
er nach einer Einheit strebt, nach einem Principe, welches im
Gegensatz zum Wechsel der Erscheinungen, als ein Ruhiges, Unsichtbares,
Inneres oder Seelisches gedacht wird.
Daher war im Vedanta eigentlich erst der Boden für die
Philosophie geschaffen, und man kann es desshalb auch, seinem
Inhalte nach, als das älteste der Systeme bezeichnen, das später
nur in etwas verändeter Fassung und mit einigen Zusätzen auftrat.
Die vedantistische Lehre, die man im Wesentlichen als die
Theorie der quietistischen Versenkung des Geistes oder
als ein energisches Streben nach einem Centrum als Ruhepunkt
bezeichnen kann, ist bei den Brahmanen die vorherrschendste geblieben,
weil sie dem Genius des Volkes am meisten entspricht. Da
das Leben als etwas Unberechtigtes galt, und die Flucht aus demselben
als eine der Bedingungen des Heils syigesehen wurde, so war
mit einem solchen Systeme der Fortschritt unverträglich, weil der
Boden fehlte, auf dem er sich hätte entwickeln können. Dieselbe
Erscheinung zeigt sich auch später im Mönchsthum der christlichen
Welt.
Indessen war der indische Geist zu reich organisirt, als dass
er nicht auch hätte andere Richtungen versuchen sollen. Dies ergibt
sich z. B. aus dem Auftreten des Sinkya-Systems, in welchem Bewegung,
Unterscheidung und Kritik eine wichtige Rolle spielen, und
die Möglichkeit eines Fortschrittes begründen, der sich sogar — als
er in der Lehre Budda’s aus dem Gebiet der Theorie ins praktische
Lehen überging und, der brahmanischen Kastenverfassung gegenüber,
die Gleichheit und Freiheit der Menschen verkündete — zu
einem blutigen Vernichtungskampfe zwischen Brahmanismus und
Budd'ismus gestaltete und mit Vertreibung des Letztem aus Indien
endete.
Die milde menschenfreundliche Lehre Budda's, aus ihrer Geburtsstätte
verjagt, trug die Keime religiöser Bildung und Gesittung
zu den übrigen Nationen des Orients und erfüllte damit eine ähn-