Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 63. Band, (Jahrgang 1869)

482

G  o  e  h  I  e  r  t

Wenn  übrigens  die  eheliche  Fruchtbarkeit  bei  einer  Ehedauer
von  23  Jahren  und  bei  einer  Fruchtbarkeitsdauer  von  16  bis  17  Jahren ­
  nach  den  thatsächlichen  Erfahrungen  sich  auf  ein  geringeres
Maass  stellt  und  die  durchschnittliche  Zahl  von  S  oder  6  Kindern
nicht  übersteigt,  so  wirken  mancherlei  Ursachen  ein,  welche  eine
solche  Beschränkung  der  Kinderzahl  herbeiführen.
Zunächst  ist  dies  wohl  der  iin  ehelichen  Umgänge  eintretenden
Enthaltsamkeit  zuzuschreiben,  welcher  sich  die  vorsichtigen  Ehegatten
in  der  Absicht  unterziehen,  um  einerseits  die  durch  eine  zahlreiche
Familie  entstehenden  Sorgen  und  Opfer  nicht  zu  vermehren,  andererseits ­
  aber  den  bereits  geborenen  Kindern  eine  sorgfältigere  Erziehung
und  einen  zur  Begründung  ihrer  künftigen  Lebensstellung  und  zu
ihrem  besseren  Fortkommen  nothwendigen  Vermögensantheil  zu
sichern.  Dieser  letztere  Grundsatz  gilt  namentlich  bei  den  Sachsen
Siebenbürgens,  in  deren  Ehen  selten  mehr  als  zwei  Kinder  Vorkommen. ­

Unter  natürlichen  und  nicht  durch  sociale  und  andere  Umstände
bedingten  Verhältnissen  müsste  sich  die  Zahl  der  Kinder  durchschnittlich ­
  auf  8  bis  9  belaufen,  deren  Erhaltung  und  Versorgung,
wenn  sie  alle  am  Leben  blieben,  den  Eltern  grosse  und  kaum  erschwingliche ­
  Opfer  verursachen  würde.
Wie  sehr  übrigens  die  eheliche  Fruchtbarkeit  sich  steigern
kann,  wenn  die  Kinder  bald  nach  der  Geburt  sterben,  darüber  zu
sprechen  wird  uns  die  Erörterung  der  Sterblichkeit  der  Kinder  Gelegenheit ­
  bieten.
Von  der  bisher  betrachteten  ehelichen  Fruchtbarkeit,  welche
wir  die  absolute  nennen  wollen,  ist  die  relative  zu  unterscheiden,
welche  bloss  die  durchschnittliche  Zahl  der  lebenden  Kinder  in  einer
Ehe  umfasst  und  sich  nach  unseren  Daten  auf  4'87  berechnet.  Dieser ­
  Werth  hat  desshalb  auch  eine  Bedeutung,  weil  er  als  der  wesentlichste ­
  Regulator  der  Zunahme  der  Bevölkerung  angesehen  werden
kann  ‘).

ed
1 )  Als  allgemeine  Formel  hiefui’  wird  annäherungsweise  ef:  —  =  a  gelten  können,
wobei  a  das  Maass  der  jährlichen  Zunahme  bedeutet.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.