J. J. Rousseau’s Lehen.
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und schlicht 1 ). So einfach wie seine Kleidung warsein Umgang. Ein
Freund des Volks, war stolze Herablassung ihm völlig fremd. Heiter
und froh, wenn nichts ihn umdiisterte, ein überaus liebenswürdiger
Gesellschafter 8 ), aber brusque und rauh, wenn trüber Sinn oder
heftiger Affect ihn gefangen nahmen. Die Liebe zu einsamem und zurückgezogenem
Leben hatte die Entwicklung seines oratorischen
Talents gehindert und er konnte nur selten die scheue Beklommenheit,
die ihm in Gesellschaften oder Versammlungen das Wort auf
der Zunge verstummen machte, überwinden, aber hatte er einmal den
ersten Schritt gethan und verdüsterte nichts sein Gemüth, so ergoss
er sich wie ein reissender Strom, dem nichts widersteht«). Miene und
Ausdruck, Mund und Hände, die Bewegung des ganzen Körpers begleitete
mit einer Lebhaftigkeit das gesprochene Wort, als sollte es
leibhaftig vor den Augen und Ohren seiner Zuhörer erscheinen 4 ).
Die Erregbarkeit und Entzündlichkeit seiner Nerven bedurfte
nur eines geringen Anstosses, um sie in eine rasche und nachhaltige
Bewegung zu versetzen. Ein leises Wehe, eine unerwartete Überraschung,
eine eingebildete Besorgniss macht ihn bis zu Thränen gerührt,
in willkommener Freude, die man ihm bereitet, geht er förmlich
auf. Welcher Wärme des Gefühls, welcher übermässigen Empfindsamkeit
war er fähig! *). In Lust und Schmerz, in Freude und Betrübniss
ist kein Gradunterschied so gering, dass er nicht auf den
Wiederklang einer Saite seiner erlebten Empfindungen hätte rechnen
können. Was sage ich: rechnen? Übertroffen wurde jeder Empfindungsgrad
durch die Wärme seiner Gefühlsregungen. Es wäre nur
schlimm, wenn ein so zartbesaitetes Wesen seinerseits auf keinen
Widerklang rechnen könnte. Entgegengebrachte Kälte wirkt auf dasselbe
fast wie der Tod und die Schrauben der conventionellen Formen
*) Mercier, De J. .1. Kousseau, T. I. p. 266 (S. Petitain, Appendice p. 371).
*) Mouchon bei Musset-Pathay, Histoire p. 219.
3 ) Vgl. Dussaulx bei Musset-Pathay, Histoire p. 336.
4 ) Vgl. Mouehon’s Bericht bei Musset-Pathay, Histoire p. 218 f.
5 ) Mouchon, welcher im Jahre 1762 in Gesellschaft mit Rousseau eine Bergpartie
machte, um in klippenreichen Regionen der Alpen zu hotanisiren, erzählt Folgendes.
Comine le plus jeune de la troupe, j’etais aussi le plus etourdi et je poussais
l imprudence jusqu’ a pirouetter sur cette lisiere scahreuse. Je l'ai vu se jeter
a genoux et me supplier en grace de ne pas recidiver, parce que je lui faisais un
mal aifreux (Musset-Pathay, Hist. p. 227).
Sitzh. d. phil.-hist. CI. LXIH. ßd. III. Hft.
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