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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 63. Band, (Jahrgang 1869)

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Vogt

setzt,  welche  durch  die  Verkennung  gereizt,  durch  die  Einbildung
gestaltet  und  ausgebildet  worden  waren,  eine  Einbildung,  in  welcher
er  von  den  zarten  Kindestagen  an  zu  leben  sich  gewöhnt  hatte  ')•  Es
ist  auffallend,  dass  Rousseau  seine  Bekenntnisse  gerade  mit  dem  Jahre
1765  abschliesst,  d.  h.  mit  dem  Zeitpunkte,  bis  zu  welchem  die  wirklichen ­
  Verfolgungen  reichten,  und  es  ist  charakteristisch,  dass  er,  um
in  seiner  Einbildung  nicht  gestört  zu  werden,  die  Fortsetzung  seiner
Lehensbeschreihung,  also  möglicher  Weise  auch  die  Erklärung  und
Aufhellung  seiner  Täuschungen  unterliess.  Die  zwei  Schriften,  welche
er  zu  seiner  weiteren  Rechtfertigung  verfasste,  dienten  nicht  dazu,
ihn  aus  seinen  Einbildungen  herauszureissen,  sondern  ihn  noch  mehr
darin  zu  befestigen.  Das  ist  die  traurige  Bedeutung  seiner  Reveries

*)  Jene  Männer,  welche  über  den  äussern  Gründen  jener  Lage  die  innern  unbeachtet
Hessen,  um  a  tout  prix  als  Vertheidiger  Rousseau’s  zu  erscheinen,  haben  in  der
angeblichen  Herrschaft,  welche  Therese  Levasseur  über  Rousseau  erlangt  habe,
und  ihrem  gegen  Rousseau  eingeschlagenen  Verfahren  den  Grund  erblickt,  welcher
mehr  als  alles  andere  jene  Isolirtheit  und  misanthropische  Gesinnung  zur  Folge
gehabt  habe.  Da  Therese  Levasseur  ihrer  Persönlichkeit,  namentlich  ihrer  spätem
Handlungsweise  halber  nach  Rousseau’s  Tode  —  sie  verschwendete  nämlich  grosse
Summen  in  enger  Verbindung  mit  einem  Stallknecht  —  gewiss  nie  einen  Vertheidiger
  finden  wird,  so  diente  dieselbe  Musset-Pathay  u.  A.  als  willkommener
Sündenbock,  und  erfuhr  Anschuldigungen,  welche  bis  ins  Lächerliche  gehen.
Die  unbefangene  Darstellung  Goldoni’s  ist  in  dieser  Beziehung  ein  gutes
Correctiv.  Ich  will  für  die  Leser,  welchen  das  Buch  nicht  zur  Handelst,  einen
Theil  einer  Erzählung  von  einem  Besuche,  den  Goldoni  während  seines  letzten
Pariser  Aufenthalts  Rousseau  machte,  hier  mittheilen.  Er  sagt  a.  a.  0.  p.  444  f.:
Domando  se  il  signor  Rousseau  e  in  casa.  —  Vi  e,  e  non  vi  e  (risponde  questa
donna,  che  io  credevo  al  pii\  sua  governante);  —  e  domanda  il  mio  nome.  Mi  fo
conoscere,  ed  ella  allora  soggiunse:  Oh!  appunto  vi  si  aspettava  ;  vado  subito  a
darne  avviso  a  mio  marito.  —  Entro  un  momento  dopo,  vedo  il  celebre  aiitore
dell’  Emilio,  che  stava  copianda  musica.  Quantunque  prevenuto,  pur  non  ostante
non  potevo  a  meno  di  non  fremer  tra  me  di  sdegno.  Mi  accoglie  con  modi
schietti  e  amichevoli;  si  alza,  e  tenendo  un  quaderno  in  matio:  Guardate  (egli
mi  dice),  se  vi  ä  alcuno,  che  copi  la  musica  come  me.  Slido,  che  dal  torchio  esca
uno  spartito  cosi  bello  ed  esatto  come  esce  di  casa  mia.  Andiamo,  andiamo  a
scaldarci  (egli  prosegue).  E  non  si  dovea  fare  che  un  passo  per  accostarci  al
camino.  Non  essendovi  fuoco,  dimanda  un  ceppo,  che  e  portalo  da  madama
Rousseau.  Io  mi  alzo,  faccio  posto,  ed  offro  una  sedia  a  madama:  No,  no,  non
v’incommodate  (risponde  il  marito):  mia  moglie  ha  da  fare;  e  occupata.
Sentivo  lacerarmisi  il  cuore.  Veder  fare  il  copista  n  un  letterato  di  quella  fatta,
ed  a  sua  moglie  la  serva,  era  veramente  per  i  miei  occhi  uno  spettaculo  desolante,
ne  potevo  celar  la  mia  pena  e  la  mia  sorpresa,  benche  non  dicessi  nulla.
            
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