J. J. Rousseau’s Lehen.
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untersagt worden seien i), so hätte den an Einbildungen ohnedies
schon kranken Mann gar kein härterer Schlag treffen können. Mit dem
Misstrauen war der Gedanke an ein angebliches Coinplot längst verwachsen.
Nach der düstern Auslegung, auf welche seine irrige Meinung
bezüglich des Zweckes desselben gerieth, erschien ihm dieVermuthung
wahrscheinlich, man habe es darauf abgesehen, ihn dem
allgemeinen Hasse preiszugeben 2). Als vollends der Zweifel Dusaulx's
an der Grösse der Tugendhaftigkeit Rousseau's zum Bruche mit
diesem führte 3 ), da gerieth er in einen völlig trübsinnigen Zustand.
Ohne Vertrauen zu den Menschen 4 ), im Umgänge unwirsch, launisch
und unzugänglich 5 ), legte er bald Beweise einer völlig misantropischen
Gesinnung ab. Er vermied mit wachsender Scheu allen Umgang
mit Menschen und im Jahre 1772 fasste er den Entschluss, auch die
Correspondenz mit bewährten Freunden abzubrechen 6 ). In solche
traurig-isolirte Lage hatten ihn die Auswüchse des Misstrauens ver-*)
M uss et-Path ay (Histoire p. 360) theilt einen Brief der Frau von Epinay an
den Herrn von Sartine, Lieutenant de police, mit, in welchem Rousseau's Bekenntnisse
ein Libell genannt und darauf hingearbeitet wird, ein Verbot der
weiteren Vorlesungen Rousseau’s zu bewirken. Musset-Pnthay bemerkt hiezu:
Cette lettre remarquable par les terreurs d'une conscience coupable, et par cet
aven, „je crois qu’il tiendra sa parole“, fit probablement, suspendre les lectures
des Confessions. On sait seulement que Rousseau fut mande a la police, mais on
ignore ee qui se passa entre le magistrat et lui.
3 ) Livre par leurs soins a la haine publique heisst es in dem Fragmente eines
Briefes vom 23. November 1770, T. IV. p. 824.
8 ) In einem Briefe an Dusaulx vom J6. Februar 1771 sagt Rousseau selbst; T. IV.
p. 831 : II ne s’agit pas de savoir comment vous vous y etes pris pour faire passer
un article aussi captieux, mais comment il vous est venu dans Pesprit de l’ecrire,
de me mettre gracieusement en parallele avec un exe'crable scelerat, et cela
precisement au moment oii Fimposture n’epargne aucune nise pour me noircir.
Mes ecrits respirent. l’amour de la vertu dont Je coelir de l’auteur etoit embrase.
4 ) Zu einer Stelle seiner Bekenntnisse, in welcher von den vielen Huldbeweisen
die Rede ist, mit welchen der Prinz von Conti ihn unaufhörlich beehrt habe, hat
Rousseau späterhin folgende Anmerkung beigefügt: Remarquez la perseverance
de cette aveugle et stupide confiance, au milieu de tous les traitemens qni devoient
le plus m’en desabuser. Elle n’a cesse que depuis mon retour a Paris en
1770 (I. p. 286).
ö ) Vgl. C. G ol d on i a. a. 0.
6 ) „Je n'entretiens plus de correspondance, je n’ecris plus que pour l‘absolue
neeessite“, sagt. Rousseau in einem Briefe vom 16. Juni 1772 an Mylord Haicourt,
IV. p 840.