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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 63. Band, (Jahrgang 1869)

J.  J.  Rousseau’s  Lehen.

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untersagt  worden  seien  i),  so  hätte  den  an  Einbildungen  ohnedies
schon  kranken  Mann  gar  kein  härterer  Schlag  treffen  können.  Mit  dem
Misstrauen  war  der  Gedanke  an  ein  angebliches  Coinplot  längst  verwachsen. ­
  Nach  der  düstern  Auslegung,  auf  welche  seine  irrige  Meinung ­
  bezüglich  des  Zweckes  desselben  gerieth,  erschien  ihm  dieVermuthung
  wahrscheinlich,  man  habe  es  darauf  abgesehen,  ihn  dem
allgemeinen  Hasse  preiszugeben  2).  Als  vollends  der  Zweifel  Dusaulx's
an  der  Grösse  der  Tugendhaftigkeit  Rousseau's  zum  Bruche  mit
diesem  führte 3 ),  da  gerieth  er  in  einen  völlig  trübsinnigen  Zustand.
Ohne  Vertrauen  zu  den  Menschen 4 ),  im  Umgänge  unwirsch,  launisch
und  unzugänglich  5 ),  legte  er  bald  Beweise  einer  völlig  misantropischen
  Gesinnung  ab.  Er  vermied  mit  wachsender  Scheu  allen  Umgang
mit  Menschen  und  im  Jahre  1772  fasste  er  den  Entschluss,  auch  die
Correspondenz  mit  bewährten  Freunden  abzubrechen 6 ).  In  solche
traurig-isolirte  Lage  hatten  ihn  die  Auswüchse  des  Misstrauens  ver-*)

  M  uss  et-Path  ay  (Histoire  p.  360)  theilt  einen  Brief  der  Frau  von  Epinay  an
den  Herrn  von  Sartine,  Lieutenant  de  police,  mit,  in  welchem  Rousseau's  Bekenntnisse ­
  ein  Libell  genannt  und  darauf  hingearbeitet  wird,  ein  Verbot  der
weiteren  Vorlesungen  Rousseau’s  zu  bewirken.  Musset-Pnthay  bemerkt  hiezu:
Cette  lettre  remarquable  par  les  terreurs  d'une  conscience  coupable,  et  par  cet
aven,  „je  crois  qu’il  tiendra  sa  parole“,  fit  probablement,  suspendre  les  lectures
des  Confessions.  On  sait  seulement  que  Rousseau  fut  mande  a  la  police,  mais  on
ignore  ee  qui  se  passa  entre  le  magistrat  et  lui.
3 )  Livre  par  leurs  soins  a  la  haine  publique  heisst  es  in  dem  Fragmente  eines
Briefes  vom  23.  November  1770,  T.  IV.  p.  824.
8 )  In  einem  Briefe  an  Dusaulx  vom  J6.  Februar  1771  sagt  Rousseau  selbst;  T.  IV.
p.  831  :  II  ne  s’agit  pas  de  savoir  comment  vous  vous  y  etes  pris  pour  faire  passer
un  article  aussi  captieux,  mais  comment  il  vous  est  venu  dans  Pesprit  de  l’ecrire,
de  me  mettre  gracieusement  en  parallele  avec  un  exe'crable  scelerat,  et  cela
precisement  au  moment  oii  Fimposture  n’epargne  aucune  nise  pour  me  noircir.
Mes  ecrits  respirent.  l’amour  de  la  vertu  dont  Je  coelir  de  l’auteur  etoit  embrase.
4 )  Zu  einer  Stelle  seiner  Bekenntnisse,  in  welcher  von  den  vielen  Huldbeweisen
die  Rede  ist,  mit  welchen  der  Prinz  von  Conti  ihn  unaufhörlich  beehrt  habe,  hat
Rousseau  späterhin  folgende  Anmerkung  beigefügt:  Remarquez  la  perseverance
de  cette  aveugle  et  stupide  confiance,  au  milieu  de  tous  les  traitemens  qni  devoient
  le  plus  m’en  desabuser.  Elle  n’a  cesse  que  depuis  mon  retour  a  Paris  en
1770  (I.  p.  286).
ö )  Vgl.  C.  G  ol  d  on  i  a.  a.  0.
6 )  „Je  n'entretiens  plus  de  correspondance,  je  n’ecris  plus  que  pour  l‘absolue
neeessite“,  sagt.  Rousseau  in  einem  Briefe  vom  16.  Juni  1772  an  Mylord  Haicourt,
IV.  p  840.
            
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