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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 63. Band, (Jahrgang 1869)

J.  J.  Rousseau's  Leben.

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15  Jahren  *)  wirksames  Complot  verleumdet,  verkannt  und  verfolgt
zu  sein  glaubte  und  desshalb  auf  die  Vertheidigung  seiner  Person  und
seines  Andenkens  bedacht  war 2 ),  so  war  es  für  ihn  etwas  Unvermeidliches, ­
  in  dem  Zeitpunkte  nach  Paris  zu  eilen,  da  die  Schrift,
welche  seine  Rechtfertigung  und  Vertheidigung  enthielt,  vollendet
war.  Und  damit  man  ja  nicht  im  Zweifel  bleiben  kann,  dass  die  Rechtfertigung ­
  und  Vertheidigung  gegenüber  der  von  seinen  Feinden  und
angeblichen  Freunden  unternommenen  Herabsetzung  seines  persönlichen ­
  Werths  das  Motiv  seiner  Rückkehr  nach  Paris  war,  schliesst
er  die  Bekenntnisse  mit  der  Erklärung:  Wer,  auch  ohne  meine  Schriften ­
  gelesen  zu  haben,  mit  seinen  eigenen  Augen  mein  Naturell,  meinen
Charakter,  meine  Sitten,  Neigungen,  Freuden,  Gewohnheiten  prüft
und  mich  noch  für  einen  ungesitteten  Menschen  hält,  ist  selber  hängenswerth
 3 ).  Unter  solchen  Umständen  ist  allerdings  ein  persönliches
Ehrgefühl  mit  im  Spiele,  und  auch  die  Pflicht,  aber  nur  eine  Pflicht
gegen  sich  selbst.
Rousseau  verweilte  noch  acht  Jahre  in  Paris,  mit  literarischen
Arbeiten,  mit  Componiren  und  Copiren  von  Musikstücken  beschäftigt.
Seine  Bekenntnisse,  welche  mehrmals 4 )  im  Winter  1770—  177  I  von
ihm  in  Gesellschaften  vorgelesen  wurden,  landen  begierige  und  enthusiasmirte
  Zuhörer.  Rousseau  fügte  zu  einigen  alten  Freunden,  mit
welchen  die  Verbindung  wieder  angeknüpft  wurde,  neue  hinzu.  Fast
schien  es,  als  sollten  dem  Alter  dieses  umhergetriebenen  Mannes  nach

Satz:  si  quelqu’un  sait  des  choses  contraires  a  ce  que  je  viens  d’exposer,  fussentelles
  mille  fois  prouvees,  il  sait  des  mensonges  et  des  impostures;  et  s’il  refuse
de  les  approfondir  et  de  les  eclaircir  avec  moi  tan  dis  que  je  suis  en  vie,  U
n’aime  ni  la  justice  ni  la  verite.  Es  heisst  die  Selbsttäuschung  Rousseau’s  nachbeten, ­
  wenn  auf  die  Worte  „bei  meinen  Lebzeiten“  irgend  ein  Gewicht  gelegt
wird.  Wie  kann  denn  jemand  im  Ernste  gesonnen  sein,  sich  in  Verhandlungen  einzulassen, ­
  der  wie  Rousseau  gleich  von  vorn  herein  den  für  einen  Lügner  und  Verleumder ­
  erklärt,  der  das  Gegentheil  behauptet?
*)  R  y  a  quinze  ans  qu’on  travaille  sous  terre,  sagt  Rousseau  in  dem  angeführten
und  an  Moultou  gerichteten  Briefe  T.  IV.  p.  816.  Er  datirt  also  genau  den  Beginn ­
  seiner  Verleumdungen  und  Verfolgungen  seit  dem  Bruche  mit  Grimm  und
der  Frau  von  Epinay.
2 )  A.  a.  0:  et  ce  n’est  plus  ma  personne  qu’il  faut  songer  A  defendre,  c’est  ma
memoire.
8 )  Confess.  Lp.  349.
Müsse  t-P  a  th  ay,  Histoire  p.  355.  P  e  ti  t  a  in  .  Appendice  p.  36^.
            
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