J. J. Rousseau's Leben.
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15 Jahren *) wirksames Complot verleumdet, verkannt und verfolgt
zu sein glaubte und desshalb auf die Vertheidigung seiner Person und
seines Andenkens bedacht war 2 ), so war es für ihn etwas Unvermeidliches,
in dem Zeitpunkte nach Paris zu eilen, da die Schrift,
welche seine Rechtfertigung und Vertheidigung enthielt, vollendet
war. Und damit man ja nicht im Zweifel bleiben kann, dass die Rechtfertigung
und Vertheidigung gegenüber der von seinen Feinden und
angeblichen Freunden unternommenen Herabsetzung seines persönlichen
Werths das Motiv seiner Rückkehr nach Paris war, schliesst
er die Bekenntnisse mit der Erklärung: Wer, auch ohne meine Schriften
gelesen zu haben, mit seinen eigenen Augen mein Naturell, meinen
Charakter, meine Sitten, Neigungen, Freuden, Gewohnheiten prüft
und mich noch für einen ungesitteten Menschen hält, ist selber hängenswerth
3 ). Unter solchen Umständen ist allerdings ein persönliches
Ehrgefühl mit im Spiele, und auch die Pflicht, aber nur eine Pflicht
gegen sich selbst.
Rousseau verweilte noch acht Jahre in Paris, mit literarischen
Arbeiten, mit Componiren und Copiren von Musikstücken beschäftigt.
Seine Bekenntnisse, welche mehrmals 4 ) im Winter 1770— 177 I von
ihm in Gesellschaften vorgelesen wurden, landen begierige und enthusiasmirte
Zuhörer. Rousseau fügte zu einigen alten Freunden, mit
welchen die Verbindung wieder angeknüpft wurde, neue hinzu. Fast
schien es, als sollten dem Alter dieses umhergetriebenen Mannes nach
Satz: si quelqu’un sait des choses contraires a ce que je viens d’exposer, fussentelles
mille fois prouvees, il sait des mensonges et des impostures; et s’il refuse
de les approfondir et de les eclaircir avec moi tan dis que je suis en vie, U
n’aime ni la justice ni la verite. Es heisst die Selbsttäuschung Rousseau’s nachbeten,
wenn auf die Worte „bei meinen Lebzeiten“ irgend ein Gewicht gelegt
wird. Wie kann denn jemand im Ernste gesonnen sein, sich in Verhandlungen einzulassen,
der wie Rousseau gleich von vorn herein den für einen Lügner und Verleumder
erklärt, der das Gegentheil behauptet?
*) R y a quinze ans qu’on travaille sous terre, sagt Rousseau in dem angeführten
und an Moultou gerichteten Briefe T. IV. p. 816. Er datirt also genau den Beginn
seiner Verleumdungen und Verfolgungen seit dem Bruche mit Grimm und
der Frau von Epinay.
2 ) A. a. 0: et ce n’est plus ma personne qu’il faut songer A defendre, c’est ma
memoire.
8 ) Confess. Lp. 349.
Müsse t-P a th ay, Histoire p. 355. P e ti t a in . Appendice p. 36^.