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Vogt
dien seines Charakters noch so hoch anschlagen: dazu war seine
Seele (loch nicht klein genug, um durch eine solche der eigenen
Selbstbespiegelung entgegenkommende Bewunderung sich besonders
geehrt zu fühlen. Dazu wird er doch nicht ein so ungeschicktes Mittel
wählen und mit aller Offenherzigkeit Fehler und Laster zum Besten
geben, auf die Gefahr hin, dass er in den Augen derjenigen, welche
die Bekenntnisse kennen lernen, trotz der Kunst und Gewandtheit der
Darstellung noch mehr verliere? Der Wunsch, Aufmerksamkeit zu
erregen, ist eine ganz unerwiesene und unerweisbare Vermuthung.
Es fragt sich ferner, ob vielleicht eine von grosser Gerechtigkeitsliebe
dictirte Pflicht ihn antrieb wieder nach Paris zu gehen, damit er
einerseits Gelegenheit erhalte, durch Darlegung und Mittheilung des
wahren Sachverhalts das erlittene Unrecht zu zeigen, anderseits den
in seinen Bekenntnissen Verwickelten und Blossgestellten die Möglichkeit
gewähre sich zu vertheidigen und dadurch eine nachträgliche
Verbesserung des dargestellten Sachverhalts zu veranlassen '). Daran
ist ebensowenig zu denken. Wer wie Rousseau beginnt: Ich habe
mich in der ganzen Wahrheit der Natur dargestellt, und schliesst:
ich habe die volle Wahrheit gesagt; wer wie er so fest von der Höhe
des eigenen moralischen Werths überzeugt ist, für den gilt die Verhandlung
als fertig und abgeschlossen. Was sollte auch nachträglich
noch corrigirt werden können, wenn der Darsteller den in seinen
Bekenntnissen etwa Compromittirten gegenüber nur erlittenes, nicht
gethanes Unrecht zu erzählen hat? Rousseau gibt doch so viel Anhaltspunkte
an die Hand, um das eigentliche Motiv erkennen zu lassen.
Da er sich für den besten Menschen hielt und gegen jeden auf diese
Seite gerichteten Angriff empfindlich war, da er ferner durch ein seit
hat es jedoch unterlassen, auch nur eine einzige Stelle aus seiner Correspondenz
als erläuterndes Beweismittel anzufiiliren.
*) Musset-Pathay, welcher zu denjenigen Franzosen gehört, die es Rousseau
geglaubt haben, dass er seiner eigenen Versicherung gemäss der beste Mensch
sei, nimmt dieses zweite Motiv an. Rousseau sei ein Mann gewesen, qui regardait
la justice comme le premier et le plus rigoureux de nos devoirs, il adopta
• bientöt un moyen de le remplir. Ce fut de donner a ces memoires toute la
puhlicite qu'ils pouvaient acquerir sans avoir recours ä 1’impression, d’en communiquer,
ä cet effet, le manuscrit, et d’en faire, au milieu des personnes les plus
interessees, les plus compromises, des lectures publiques en les sommant de
repondre (Histoire p. 327 — 328). Musset-Pathay beruft sich zur Rechtfertigung
auf folgenden in Rousseau’s Schlusserklärung zu seinen Bekenntnissen enthaltenen