.1. J. Rousseau’s Lehen.
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Weise ist die erste Abtheilung, in welcher seine Jugendzeit geschildert
wird, von der objectiven Wahrheit entfernt. Dem Alter erscheint
des Contrastes wegen die eigene Jugend in einem idealisirten Bild,
und je düster das Alter ist, desto mehr wird die Helligkeit jenes
Bildes glänzen. Rousseau war nicht nur ein verkannter und verfolgter
Mann, er hesass noch dazu eine grosse Einbildungskraft. Da ist es
kein Wunder, wenn er in einem Theile seines Jugendlebens das Ideal
menschlicher Glückseligkeit verwirklicht sah. Auf diese Weise kommt
es. dass die erste Abtheilung von hellem Sonnenschein überdeckt, die
zweite in düsteres Grau gehüllt erscheint.
Die beiden Abtheilungen waren kaum vollendet, als Rousseau
den Entschluss fasste, nach Paris zurückzukehren und sich dort niederzulassen.
Wer sich erinnert, dass Rousseau den Landaufenthalt als
sein eigentliches Element, die Städte hingegen und namentlich Paris
als Pflegstätte geistreicher Leerheiten und Schlupfwinkel der Laster
betrachtete, dem muss diese Übersiedlung in hohem Grade befremdlich
erscheinen. Welche Ursache konnte diesen Umschwung herbeigeführt
haben und ihn bestimmen, gerade den Ort aufzusuchen, den
er für den Sitz des angeblichen Complols gegen ihn hielt? Er
schreibt in einem Briefe vom 6. April 1770: Mich rufen Ehre und
Pflicht >). Da Rousseau jede weitere genauere Angabe unterlässt, so kann
dieFrage erhoben werden, ob er denn seineEhre dareingesetzt habe,
die öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen und mit Hilfe des neuen
Werkes sich bewundern zu lassen? 3 ). Man mag indessen die Schwa-(siehe
oben), ferner an seine Sonderbarkeiten, seine moralische Einbildung
trotz des lüsternen Hanges, und es wird, wie mir scheint, nicht nur jener Bruch,
sondern auch das falsche Licht, in welchem er alle seine ehemaligen Freunde
darstellte, erklärlich werden. Rosenkranz hat sich, Ste. Beuve behend folgend,
in seinem Werk über Diderot das schlechte Verdienst erworben, auf Grundlage
tendentiöser Schriften über Rousseau’s Zerwürfnisse und Reibungen mit seinen
ehemaligen Freunden der falschen Beurtheilung dieses Mannes gute Dienste erwiesen
zu haben. Es wäre endlich Zeit, statt Memoiren-Klatsch in den Vordergrund
zu drängen, vor allem daran zu denken, dass der Mann grosse Leistungen
aufzuweisen hat und dass, worauf diese Abhandlung hinweisen wollte, dergleichen
Arbeiten nicht denkbar sind ohne edlen Kern.
*) T. IV. p. 817: Ne parlons plus de Chamberi; ce n’est pas ln oü je suis appele.
L’honneur et le devoir crient; je irentends plus que leur voix.
2 ) ln den» Grunde, de ranimer l’attention publique, erblickt Petita in (Appendice
p. 360) das Motiv Rousseau’s. Er fügt zwar die Worte bei: on voit percer cetfe
intention seerete dans plus d’un passage de sa correspondence a rette epoque,