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Vogt
dauernde Verbindung erwarten? Lässt sich aber auch der voreilige
Schluss ziehen: die abget'allenen Freunde seien die geheimen Verfolger
geworden? Der Umstand, dass Rousseau ein religiöser und
politischer Freidenker war, ist ein vollkommen ausreichender Erklärungsgrund
für seine Verfolgung und es bedurfte dazu der Hilfe seiner
Freunde nicht, um sie ins Werk zu setzen. Es war freilich lächerlich,
den Einfluss, welchen Rousseau's Anschauungen auf die zukünftige
Entwicklung der allgemeinen Anschauung nehmen würden, durch
Verfolgung des Urhebers abzuschneiden, aber wann bat sich ein
reactionäres Bestreben je um die Zukunft bekümmert?
Die Verfolgungen brachten in Rousseau ausser Mutlosigkeit und
dem Gedanken an ein angebliches Complot noch eine andere Wirkung
hervor. Erlittenes Unglück macht furchtsam; gewolltes Unglück,
das Jemand erlitten, erzeugt Misstrauen. Rousseau hat in den Jahren
von 1765 —1770 an verschiedenen Orten in England und Frankreich
sich aufgehalten und fast überall neue Verbindungen augeknüptt,
aber keine hatte langen Bestand, keine vermochte das wachsende
Misstrauen surückzuhalten. Alle entgegengebrachte Aufrichtigkeit
half nichts, der Isolirtheit und dem bleibenden Trübsinn, in welchen
Rousseau gerathen musste, vorzuheugen. Doch, es soll der Darstellung
seiner letzten Lebenszeit nicht vorgegriffen werden.
Rousseau ging über Strassburg, wo er eine sehr günstige Aufnahme
fand unter dem Schutze des Prinzen vou Conti nach Paris,
Strassen und Laster sehen, keinen Glauben haben, aber nicht begreife ich es,
warum Landbewohner und besonders einsame Menschen keinen haben können.
Wie erhebt sich nicht ihre Seele hundertmal des Tags jauchzend zu dem Urheber
der Wunder, die vor ihren Augen liegen ?“ — Diderot hingegen sagt (Rosenkranz,
Diderot’s Leben und Werke, I. S. 143): „Ich habe mit der Natur angefangen,
welche sie dein Werk genannt haben; und ich werde mit dir endigen,
dessen Namen auf der Erde Gott ist. O Gott! ich weiss nicht, ob du bist; aber
ich werde denken, als ob du in meine Seele blicktest; ich werde handeln, als ob
ich vor dir waudelte. Ich verlange von dir nichts in dieser Welt, denn der Lauf
der Dinge ist, wenn du nicht bist, durch sich selbst, oder, wenn du bist, durch
dein Gebot nothwendig“. Dieser Gegensatz beider Männer ist fast so gross, als
der Unterschied — man erlaube den Vergleich — zwischen antikem und modernem
Standpunkt. Man messe doch die Entfernung zwischen dem Satze Platon’s: Die
Philosophie hat keinen andern Anfang als die Verwunderung, — und dem Satze
Herbart’s: Aller Weisheit Anfang ist der Zweifel.
l ) Musset-Patha v, Histoire p. 236 f. „Partout un accueil obligeant et empresse“,
sagt G. Petitain in seinem Appendice aux Confessions de J. J. Rousseau, abgedruckt
in Rousseau’s Werken, I. p. 351.