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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 63. Band, (Jahrgang 1869)

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die  Schweiz  ihr  Ende  erreichen  und  Rousseau  leistete  der  Einladung
seiner  Freunde,  nach  England  zu  gehen,  willig  Folge.
Diese  beständigen  Verfolgungen,  welche  Schlag  auf  Schlag  einander ­
  drängten  und  ihn  aus  einem  Canton  in  den  anderen  trieben,
fingen  endlich  an,  seinen  Mutli  herabzustimmen  ').  Wie  lange  ein
solcher  Zustand  noch  dauern  mag?  —  ist  eine  harte  Frage  für  einen
in  Ungewissheit  lebenden  Verfolgten  und  geeignet,  auch  den  stärksten
Mutli  zu  brechen.  Vergangene  Schicksalsschläge  kommen  nach  dem
natürlichen  Laufe  immer  mehr  in  Vergessenheit,  aber  die  Wirkung
drohender  Übel  erscheint  unserer  Einbildung  um  so  grösser,  jedichter
der  Schleier  ist,  der  ihre  Ursachen  verdeckt.  Wo  zeigt  sich  da  noch
die  Aussicht  auf  Schutzmittel?  Wenn  ferner  irgend  Jemand  dafür,
dass  er  den  Muth  besass  seine  gute  Überzeugung  rückhaltslos  zu
äussern,  Undank  und  Verkennung  erntet,  so  wird  man  es  wohl  begreiflich ­
  finden,  wenn  die  Wunde,  welche  hiedurch  geschlagen
wurde,  unheilbar  bleibt;  wenn  aberRousseau,  der  in  seinemGlaubensbekenntniss
  des  savoischen  Vikars,  man  mag  über  seinen  Inhalt  denken,
wie  man  will,  gegenüber  einer  glaubenslosen  Zeit  und  atheistischen  Liebhabereien ­
  doch  einen  Ausweg  und  vielleicht  den  einzig  richtigen  aus
dem  Irrthume  zeigte,  für  die  rückhaltslose  Äusserung  seiner  Überzeugung ­
  verfolgt  wurde,  so  wird  man  wohl  erkennen,  dass  die  Wunde
nur  um  so  schmerzlicher  wird  empfunden  werden  müssen.  Es  fehlte
nichts,  als  dass  Rousseau,  der  ohnedies  leicht  erregbar  und  reizbar
für  Einbildungen  war,  nach  der  Veröffentlichung  der  Rechtfertigung
und  Widerlegungseiner  Gegnerin  dem  Briefe  an  Beaumont  und  in
den  Briefen  vom  Berge  vermehrte  Verfolgungen  trafen,  um  seine
schmerzliche  Empfindung  noch  zu  verdoppeln.  Eine  absichtliche  Verkennung ­
  schien  den  eigentlichen  Hintergrund  seiner  Verfolgungen
zu  bilden,  ein  Hintergrund,  der  auch  dann  noch  drohend  erscheinen
musste,  wenn  diejenigen,  welche  die  Verfolgung  ins  Werk  setzten,
nicht  mehr  im  Besitze  der  Macht  waren.
Rousseau  hielt  Choiseul  für  den  Urheber  seiner  Verfolgungen  in
der  Schweiz 2 ),  denselben  Mann,  dem  er  in  seinem  Contrat  social  das
grösste  Lob  gespendet  hatte  3 ).  Aber  Choiseul  erschien  ihm,  wenn
*)  A.  a.  0.  p.  343:  La  continuite  des  malheurs  commengoit  d’aflaisser  mon  courage.
2 )  A.  a.  0.  p.  347  :  J'avais  toujours  soupgonne  M.  de  Choiseul  d’etre  l’auteur  cache
de  toutes  les  persecutions  que  j’eprouvois  eu  Suisse.
Siehe  oben  6.  Capitel.
            
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