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die Schweiz ihr Ende erreichen und Rousseau leistete der Einladung
seiner Freunde, nach England zu gehen, willig Folge.
Diese beständigen Verfolgungen, welche Schlag auf Schlag einander
drängten und ihn aus einem Canton in den anderen trieben,
fingen endlich an, seinen Mutli herabzustimmen '). Wie lange ein
solcher Zustand noch dauern mag? — ist eine harte Frage für einen
in Ungewissheit lebenden Verfolgten und geeignet, auch den stärksten
Mutli zu brechen. Vergangene Schicksalsschläge kommen nach dem
natürlichen Laufe immer mehr in Vergessenheit, aber die Wirkung
drohender Übel erscheint unserer Einbildung um so grösser, jedichter
der Schleier ist, der ihre Ursachen verdeckt. Wo zeigt sich da noch
die Aussicht auf Schutzmittel? Wenn ferner irgend Jemand dafür,
dass er den Muth besass seine gute Überzeugung rückhaltslos zu
äussern, Undank und Verkennung erntet, so wird man es wohl begreiflich
finden, wenn die Wunde, welche hiedurch geschlagen
wurde, unheilbar bleibt; wenn aberRousseau, der in seinemGlaubensbekenntniss
des savoischen Vikars, man mag über seinen Inhalt denken,
wie man will, gegenüber einer glaubenslosen Zeit und atheistischen Liebhabereien
doch einen Ausweg und vielleicht den einzig richtigen aus
dem Irrthume zeigte, für die rückhaltslose Äusserung seiner Überzeugung
verfolgt wurde, so wird man wohl erkennen, dass die Wunde
nur um so schmerzlicher wird empfunden werden müssen. Es fehlte
nichts, als dass Rousseau, der ohnedies leicht erregbar und reizbar
für Einbildungen war, nach der Veröffentlichung der Rechtfertigung
und Widerlegungseiner Gegnerin dem Briefe an Beaumont und in
den Briefen vom Berge vermehrte Verfolgungen trafen, um seine
schmerzliche Empfindung noch zu verdoppeln. Eine absichtliche Verkennung
schien den eigentlichen Hintergrund seiner Verfolgungen
zu bilden, ein Hintergrund, der auch dann noch drohend erscheinen
musste, wenn diejenigen, welche die Verfolgung ins Werk setzten,
nicht mehr im Besitze der Macht waren.
Rousseau hielt Choiseul für den Urheber seiner Verfolgungen in
der Schweiz 2 ), denselben Mann, dem er in seinem Contrat social das
grösste Lob gespendet hatte 3 ). Aber Choiseul erschien ihm, wenn
*) A. a. 0. p. 343: La continuite des malheurs commengoit d’aflaisser mon courage.
2 ) A. a. 0. p. 347 : J'avais toujours soupgonne M. de Choiseul d’etre l’auteur cache
de toutes les persecutions que j’eprouvois eu Suisse.
Siehe oben 6. Capitel.