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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 63. Band, (Jahrgang 1869)

.1.  .).  Rousseau'»  Leben.

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zu  finden.  Diese  Anschauung  verlieh  ihm  Schwung,  sie  erleichterte
ihm  das  Werk  der  Resignation  und  hegleitete  ihn  im  Schaffen  seiner
Werke,  sie  bewirkte  aber  auch,  dass  er  hei  der  Anerkennung,  die  ihm
die  gebildete  Welt  entgegentrug,  von  seinen  nächsten  Freunden  verkannt ­
  wurde,  und  unglücklich  lebte.  So  war  derselbe  Gedanke  ihm
eine  Quelle  des  Schaffens  berühmter  Werke  und  zugleich  eine  Quelle
unaufhörlicher  Leiden.
7.  Capitel.  Die  letzten  Lebensjahre.
Die  Fortdauer  geistiger  Rührigkeit  und  der  Reiz  gewohnter  Beschäftigungen ­
  tragen  dazu  bei,  die  Unfreundlichkeit  des  Alters  zu
vergessen,  und  wenn  der  Umgang  mit  gleichgesinnten  Männern,  die
Zuneigung  und  Anerkennung  der  Menschen  hinzutreten,  so  führt
diese  willkommene  Hilfe  noch  mehr  jene  Wirkung  herbei.  Rousseau
müsste  ein  Alter  voll  Heiterkeit  durchlebt  haben,  wenn  dies  unter
der  Einwirkung  jener  Bedingungen  allein  zu  erlangen  möglich  wäre.
Er  blieb  rührig  bis  zum  letzten  Lebensjahre,  errang  sich  die  Bewunderung ­
  von  Hoch  und  Nieder  und  neue  Verbindungen  führten  ihn  zu
neuen  Freunden.  So  viel  Muth  wird  doch  wohl  aus  kräftigeren  Tagen
noch  zurückgeblieben  sein,  um  gegen  unvermeidliche  Übel  nicht  erfolglos ­
  anzukämpfen.  IndessenRousseau  gleicht  eher  einem  Menschen,
der  des  Platzes,  auf  welchem  er  steht,  keinen  Augenblick  recht  froh
werden  kann,  weil  er  von  geheimen  Mächten  beständig  hin-  und  hergezogen ­
  wird.  Unglück,  hervorgerufen  durch  eine  in  ihren  Endpunkten ­
  ihm  unbekannte  Verfolgung,  Muthlosigkeit,  welche  die  Schläge
des  Unglücks  allmählig  erzeugen,  und  Trübsinn,  durch  beide  genährt ­
  und  zur  bleibenden  Gemüthsstimmung  gemacht,  bilden  die
Eine  Kette,  welche  durch  die  letzten  sechzehn  Jahre  seines  Lebens
sich  hindurchzieht.  Es  gibt  keine  Erwartung  hinsichtlich  eines  heitern ­
  Alters  Rousseau’s,  welche  nichtdurch  die  Betrachtung  seinerletzten
Lebensjahre  gründlich  enttäuscht  würde.  Seine  Correspondenz  aus
dieser  Periode  sowohl  als  die  verschiedenen  Berichte  darüber  scheinen ­
  nur  geschrieben  zu  sein,  um  ein  trauriges  Bild  seiner  inneren
und  äusseren  Lage  zu  entwerfen.  Ist  schon  die  Vereinigung  von
Alter  und  Krankheit  werth  der  Beherzigung,  so  ist  sie  es  durch  den
Hinzutritt  anderweitigen  Unglücks  in  noch  höherem  Grade.  Gewiss
konnte  äusseres  Unglück  allein  die  trübselige  Lage  seines  Lebens
            
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