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Vogt
Rousseau uur im schriftstellerischen Wirken besteht, ohne ein tief
liegendes Wohlwollen alles Thun eitel Bemühen ist i).
Der Umfang und die Menge der Arbeiten, welche Rousseau in
1’ Hermitage und Montmorency in dem kurzen Zeitraum von 17S6 bis
1762, der Hauptperiode seines Lehens, vollendete, kann leicht in
Erstaunen setzen. Ein ungewöhnliches Mass geistiger Kraft und ein
Ungewöhnlicher Grad von anhaltender Regsamkeit und Arbeitslust
müssen in diesem Manne geschlummert haben! Indessen lässt sich
aus diesen Gründen nur die Menge der Arbeiten, noch nicht ihr Werth
erklären. Der Zweck, den Rousseau bei seinem Schaffen verfolgte, wird
auch für den letztem einzustehen bereit sein. Wer die Höhe des
Zwecks, welchen Rousseau in den meisten Arbeiten, zum Theile sogar
in der Neuen Heloise verfolgte, erwägt, der wird auch die moralische
Kraft, welche hei allen Schwächen ihm innewohnte, nicht unterschätzen.
Wenn die Zeit seiner innern Reform seine moralische Kraft
nicht gestärkt hätte und die aufgeführten Werke keinen Beweis
dafür lieferten: wo wären dann ihre Spuren?
Man sollte glauben, eine Lebensperiode, die so fruchtbar war an
Werken von Bedeutung, die Beweise einer so starken Denkkraft an
den Tag legte, werde, da ja erhöhte Regsamkeit von erhöhtem Frohsinn
begleitet zu sein pflegt, eine Periode freudigen Schaffens und
frohen Muthes gewesen sein: nichts weniger als dies. Der Leser der
Bekenntnisse weiss recht wohl, dass sehr wenig frohe Stunden gerade
diese grösste Periode seines Schaffens begleiteten 2 ). Woher diese
seltsame Erscheinung? War es etwa seine Krankheit, welche ihm
den grossen Kummer verschaffte? Das muss verneint werden. Es gab
in ihrem Verlauf Unterbrechungen und Rousseau seihst berührt den
etwa daraus hervorgehenden Kummer wenig. Oder war es Zurücksetzung,
Nichtanerkennung seiner Verdienste, die ihn kränkten?
Nein! Er fand in der ganzen gebildeten Welt theilnehmende Leser
und feurige Anhänger. Oder waren es Intriguen boshafter Menschen,
*) Der Werth der Persönlichkeit und der Werth der Leistung sind zweierlei Dinge.
Für den Werth der Persönlichkeit eines Mannes — an diesem Gedanken habe
ich bei Behandlung dieser ganzen Materie grundsätzlich festgehalten, — ist in
erster Linie das Motiv entscheidend, nicht das Werk. Es werden Irrthümer auch
in guter Absicht gelehrt und verbreitet.
*) ln den Confessio ns herrscht vom 9. Buche angefangen ein larmoyanter Ton,
welcher bis zum Schlüsse unverändert bleibt.