J. J Rousseau's Leben.
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nach jenes gründliche Heilmittel erblicken, dessen seine Zeit bedurfte
i); und so verwandelte sieb ihm die Frage, auf welche Weise
und durch welche Mittel die herrschenden Sitten und Zustände am
gründlichsten verbessert werden könnten, in die Frage nach einer
bessern Erziehung.
Rousseau’s Emile ou sur l’education ist das grösste und berühmteste
Werk dieses Mannes 2 ). Angeregt zuerst durch die Bitte
einer Mutter 5 ), hat er demselben zwanzig Jahre Nachdenken und
drei Jahre Arbeit gewidmet 4 ). Die Romanform, welche dem neuen
Erziehungssystem gegeben ist, bezeugt zwar auch hier seine alte
Neigung- 5 ), aber diese Form wird schwerlich an dem Gedanken zu
rütteln vermögen, dass Rousseau nach dem Entwicklungsgänge seines
Denkens die Erziehung als das Eine Grosse (nach Platons Wort)
wie Einer begriff. Und mag der Emile noch so viel wunde Stellen der
Kritik zu willkommenem Tadel entgegenhalten, mag er auch über
das nöthige Mass hinaus beweisen, dass es über alle menschlichen
Kräfte hinauszuliegen scheint, eine Wahrheit nach allen Seiten hin
zur Evidenz zu bringen: dennoch wird eine billige Betrachtung mit
der Anerkennung nicht zurückhalten können, dass der Mann, dessen
nachhaltiger Erfolg in der Geschichte der Pädagogik erweisbar ist,
für alles Menschliche ein tiefes Wohlwollen empfunden haben müsse.
Etwas Unbekanntes dürfte und sollte es nicht sein, dass auf dem
Gebiete der Erziehung auch dann, wenn die Thätigkeit wie bei
1 ) Das Geständniss Rousseau's (I. p. 213 — 214), dass dieser Gegenstand, der an sieh
selbst ihm weniger zugesagt hätte, allmählich mehr als alle übrigen ihm am Herzen
gelegen sei, wird dadurch erklärlich. Ohnedies hatte er pädagogische Überlegungen
früher angestellt, als ihm seine Grundanschauung feststand. Siche oben
4. Capitel.
2 ) Er nennt es selbst sein „würdigstes und bestes Buch“ (I. p. 3ÖO) und Dnlembert
theilte ihm brieflich mit (I. p. 303), durch dieses Werk sei seine Überlegenheit
entschieden.
8 ) Der Mad. de Chenonceaux, 1. p. 213.
4 ) I. p. 201.
5 ) Die Vermählung Emils mit Sophie bildet den Schluss des letzten oder fünften,
von der Erziehung Sophie’s handelnden Buches. Der Umstand, dass es Rousseau’s
Art ist, seine Worte mit lebendigen Erinnerungen zu verbinden, drängt die
Vermuthung auf, dass der Name Sophie nicht aufs Geradewohl im Emile eingeführt
worden sei. „Sophie“ war wenigstens der Name, dessen sich Rousseau gegenüber
Madame d’Houdetot bediente (l. p. 233).