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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 63. Band, (Jahrgang 1869)

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P  o  l  e  y

sichtlich  der  Polemik,  welche  der  Autor  der  Sutras  gegen  alle  übt,
die  nicht  seiner  Fahne  folgen,  möchten  wir  wohl  in  den  Sutras  das
Bestreben  sehen,  den  locker  gewordenen  und  durch  die  Existenz
vieler  abweichenden  Systeme  erschütterten  Glauben  wieder  in  eine
feste  geschlossene  Einheit  zu  bringen,  und  ihr  eine  vedantistische
Dogmatik  als  Stützpunkt  zu  geben.  Für  unsere  Kenntniss  der
indischen  Cultur-Entwickelung  wäre  es  daher  höchst  wichtig,  wenn
wir  über  die  Zeit,  welche  dies  merkwürdige  Document  entstehen
sah,  einen  sichern  chronologischen  Halt  besässen.  Windischmann
(Sohn)  vermuthet,  dass  es  in  die  ersten  Jahrhunderte  nach  Chr.  fällt,
was  nicht  unwahrscheinlich  ist.
Die  Sütra,  welche  uns  das  älteste  Vedanta-System  geben,  bestehen ­
  aus  einer  Sammlung  von  555  kurzen  Sätzen,  ja  öfters  nur  aus
einem  oder  zwei  Worten,  die  man  als  Stichworte  für  das  Gedächtniss
  betrachten  kann.  Sie  bilden  ein  blosses  Gerüst,  welches  der
Lehrer  durch  seinen  Vortrag  ausfüllte  und  erklärte.  Dies  Werk
fand  schon  früh  verschiedene  Commentatoren,  der  wichtigste  derselben ­
  ist  Saiikara  Ac'ärya  (aus  dem  8.  Jahrhundert  nach  Chr.).
Da  wir  später  eine  vollständige  Analyse  der  Brahma.-Sütra  geben
werden,  so  beschränken  wir  uns  für  jetzt  auf  eine  kurze  Angabe  des
Inhalts.
Die  555  Sutra  sind  in  Kapitel,  und  diese  in  4  Bücher  oder
Lesungen  vertheilt.
Das  erste  Buch  beschäftigt  sich  in  den  drei  ersten  Kapiteln
mit  der  Feststellung  des  Gottes-BegrilFs,  und  mit  Erklärung  und  Deutung ­
  der  darauf  bezüglichen  Stellen  in  den  Upanisads;  das  vierte
Kapitel  enthält  eine  Widerlegung  des  Sänkya-Systems.
Das  zweite  Buch  enthält  im  ersten  Kapitel  eine  Fortsetzung
der  Polemik.  Im  zweiten  Kapitel  werden  verschiedene  andere  Systeme
widerlegt,  z.  B.  die  VaiseSikas,  die  Bauddäs,  die  Gainas,  die  Päsuipatas
und  Päricarätras.  Im  dritten  und  vierten  Kapitel  wird  eine  ausgleichende ­
  Erklärung  scheinbarer  Widersprüche  in  Stellen  der  einzelnen ­
  Vedas  gegeben.
Das  dritte  Buch  zählt  im  ersten  Kapitel  die  Mittel  auf,  wodurch ­
  man  die  Erkenntniss  erlangt,  welche  zur  Befreiung  und  ewigen
Heil  führt.  Das  zweite  Kapitel  handelt  von  den  verschiedenen  Zuständen ­
  der  Seele,  nämlich:  Wachen,  Traum,  tiefer  Schlaf,  Ohnmacht ­
  und  Tod;  sodann  von  der  Natur  und  den  Attributen  des  hoch-
            
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