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P o l e y
sichtlich der Polemik, welche der Autor der Sutras gegen alle übt,
die nicht seiner Fahne folgen, möchten wir wohl in den Sutras das
Bestreben sehen, den locker gewordenen und durch die Existenz
vieler abweichenden Systeme erschütterten Glauben wieder in eine
feste geschlossene Einheit zu bringen, und ihr eine vedantistische
Dogmatik als Stützpunkt zu geben. Für unsere Kenntniss der
indischen Cultur-Entwickelung wäre es daher höchst wichtig, wenn
wir über die Zeit, welche dies merkwürdige Document entstehen
sah, einen sichern chronologischen Halt besässen. Windischmann
(Sohn) vermuthet, dass es in die ersten Jahrhunderte nach Chr. fällt,
was nicht unwahrscheinlich ist.
Die Sütra, welche uns das älteste Vedanta-System geben, bestehen
aus einer Sammlung von 555 kurzen Sätzen, ja öfters nur aus
einem oder zwei Worten, die man als Stichworte für das Gedächtniss
betrachten kann. Sie bilden ein blosses Gerüst, welches der
Lehrer durch seinen Vortrag ausfüllte und erklärte. Dies Werk
fand schon früh verschiedene Commentatoren, der wichtigste derselben
ist Saiikara Ac'ärya (aus dem 8. Jahrhundert nach Chr.).
Da wir später eine vollständige Analyse der Brahma.-Sütra geben
werden, so beschränken wir uns für jetzt auf eine kurze Angabe des
Inhalts.
Die 555 Sutra sind in Kapitel, und diese in 4 Bücher oder
Lesungen vertheilt.
Das erste Buch beschäftigt sich in den drei ersten Kapiteln
mit der Feststellung des Gottes-BegrilFs, und mit Erklärung und Deutung
der darauf bezüglichen Stellen in den Upanisads; das vierte
Kapitel enthält eine Widerlegung des Sänkya-Systems.
Das zweite Buch enthält im ersten Kapitel eine Fortsetzung
der Polemik. Im zweiten Kapitel werden verschiedene andere Systeme
widerlegt, z. B. die VaiseSikas, die Bauddäs, die Gainas, die Päsuipatas
und Päricarätras. Im dritten und vierten Kapitel wird eine ausgleichende
Erklärung scheinbarer Widersprüche in Stellen der einzelnen
Vedas gegeben.
Das dritte Buch zählt im ersten Kapitel die Mittel auf, wodurch
man die Erkenntniss erlangt, welche zur Befreiung und ewigen
Heil führt. Das zweite Kapitel handelt von den verschiedenen Zuständen
der Seele, nämlich: Wachen, Traum, tiefer Schlaf, Ohnmacht
und Tod; sodann von der Natur und den Attributen des hoch-