J. J. Uousseau’s Leben.
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vorgezogen i). Das heisst doch, den bessern Theii seines Ich in eine
solche Lage versetzen, dass der Sieg in einem etwaigen Kampfe
leichter errungen werden könne, um gar nicht davon zu reden, dass
der, welcher mit dem Eigennutze bricht, auch von dem Einflüsse
seines finstern Gefährten, des Neides, wenig zu fürchten hat. Was
jedoch die Hauptsache ist: das Resultat dieses Kampfes trifft mit dem
Resultate des gegebenen Entwicklungsganges zusammen.
Ein äusserer Umstand half die Ausführung des Beschlusses beschleunigen.
Eine Krankheit hatte mitgewirkt, dass er als Jüngling
in wissenschaftliche Studien getrieben wurde, eine Krankheit leistete
dem Manne zur Ausführung seines moralischen Entschlusses günstigen
Vorschub. Schon von seiner Geburt an litt Rousseau an einer
Urinverhaltung. Das Übel verschlimmerte sich mit den Jahren und
trat in seinem 39. Jahre mit grosser Heftigkeit auf. Die Ärzte wirkten
durch eine irrige Diagnose auf seine Einbildung noch ungünstiger
ein a) und einer derselben erklärte, dass er in sechs Monaten nicht
mehr am Leben sein würde s ). Seine Lage war kurz vorher verbessert
worden: er hatte die Stelle eines Privatsecretärs bei Francueil,
einem General-Einnehmer bei den Finanzen, und der Madame
Dupin mit der eines Cassirers bei Francueil vertauscht. Aber der
augenblickliche Zustand, die Aussicht auf den nahen Tod, seine
längst gehegten Wünsche und Gedanken wirkten zusammen, dass er
die Stelle eines Cassirers freiwillig aufgab, für das Metier eines
Noten-Copisten sich entschied und seine Reform sogar auf Kleidung
und Wäsche ausdehnte 4 ). Sind wir denn, um die Worte des Motto’s
*) I. p. 188. In dem Discours sur les Sciences et Ies arts finden sich die Worte
(I. p. 471): „Die Neigung /.um Prunk vereinigt sich schwerlich in derselben Seele
mit der zum Ehrbaren. Es ist sicherlich unmöglich, dass die durch eine Menge von
nichtswürdigen Sorgen herabgekommenen Geister sich jemals zu etwas Grossem
erheben“.
2 ) Rousseau spricht von Gries und Blasenstein, I. p. 190. Vgl. p. 302.
3 ) I. p. 188.
4 ) I. p. 188 f. Ausführlicher beschreibt Rousseau diese Reform in der Troisieme
promenade seiner Reveries du promeneur solitaire, I. p. 411: Je quittai le monde
et ses pompes. Je renonyai a toutes parures; plus d’epee, plus de montre, plus de
bas blancs, de dorure, de Coiffure; une perruque toute simple, un bon gros hahit
de drap; et, mieux que tout cela, je deraeinai de mon coeur les eupidites et Ies
convoitises qui donnent du prix st tout ce que je quittois. Je renon$ai ;« la place
que j'occupois alors, pour laquelle je n’elois millement propre, et je me mis a