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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 63. Band, (Jahrgang 1869)

J.  J.  Uousseau’s  Leben.

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vorgezogen  i).  Das  heisst  doch,  den  bessern  Theii  seines  Ich  in  eine
solche  Lage  versetzen,  dass  der  Sieg  in  einem  etwaigen  Kampfe
leichter  errungen  werden  könne,  um  gar  nicht  davon  zu  reden,  dass
der,  welcher  mit  dem  Eigennutze  bricht,  auch  von  dem  Einflüsse
seines  finstern  Gefährten,  des  Neides,  wenig  zu  fürchten  hat.  Was
jedoch  die  Hauptsache  ist:  das  Resultat  dieses  Kampfes  trifft  mit  dem
Resultate  des  gegebenen  Entwicklungsganges  zusammen.
Ein  äusserer  Umstand  half  die  Ausführung  des  Beschlusses  beschleunigen. ­
  Eine  Krankheit  hatte  mitgewirkt,  dass  er  als  Jüngling
in  wissenschaftliche  Studien  getrieben  wurde,  eine  Krankheit  leistete
dem  Manne  zur  Ausführung  seines  moralischen  Entschlusses  günstigen ­
  Vorschub.  Schon  von  seiner  Geburt  an  litt  Rousseau  an  einer
Urinverhaltung.  Das  Übel  verschlimmerte  sich  mit  den  Jahren  und
trat  in  seinem  39.  Jahre  mit  grosser  Heftigkeit  auf.  Die  Ärzte  wirkten
durch  eine  irrige  Diagnose  auf  seine  Einbildung  noch  ungünstiger
ein  a)  und  einer  derselben  erklärte,  dass  er  in  sechs  Monaten  nicht
mehr  am  Leben  sein  würde  s ).  Seine  Lage  war  kurz  vorher  verbessert ­
  worden:  er  hatte  die  Stelle  eines  Privatsecretärs  bei  Francueil,
  einem  General-Einnehmer  bei  den  Finanzen,  und  der  Madame
Dupin  mit  der  eines  Cassirers  bei  Francueil  vertauscht.  Aber  der
augenblickliche  Zustand,  die  Aussicht  auf  den  nahen  Tod,  seine
längst  gehegten  Wünsche  und  Gedanken  wirkten  zusammen,  dass  er
die  Stelle  eines  Cassirers  freiwillig  aufgab,  für  das  Metier  eines
Noten-Copisten  sich  entschied  und  seine  Reform  sogar  auf  Kleidung
und  Wäsche  ausdehnte  4 ).  Sind  wir  denn,  um  die  Worte  des  Motto’s

*)  I.  p.  188.  In  dem  Discours  sur  les  Sciences  et  Ies  arts  finden  sich  die  Worte
(I.  p.  471):  „Die  Neigung  /.um  Prunk  vereinigt  sich  schwerlich  in  derselben  Seele
mit  der  zum  Ehrbaren.  Es  ist  sicherlich  unmöglich,  dass  die  durch  eine  Menge  von
nichtswürdigen  Sorgen  herabgekommenen  Geister  sich  jemals  zu  etwas  Grossem
erheben“.
2 )  Rousseau  spricht  von  Gries  und  Blasenstein,  I.  p.  190.  Vgl.  p.  302.
3 )  I.  p.  188.
4 )  I.  p.  188  f.  Ausführlicher  beschreibt  Rousseau  diese  Reform  in  der  Troisieme
promenade  seiner  Reveries  du  promeneur  solitaire,  I.  p.  411:  Je  quittai  le  monde
et  ses  pompes.  Je  renonyai  a  toutes  parures;  plus  d’epee,  plus  de  montre,  plus  de
bas  blancs,  de  dorure,  de  Coiffure;  une  perruque  toute  simple,  un  bon  gros  hahit
de  drap;  et,  mieux  que  tout  cela,  je  deraeinai  de  mon  coeur  les  eupidites  et  Ies
convoitises  qui  donnent  du  prix  st  tout  ce  que  je  quittois.  Je  renon$ai  ;«  la  place
que  j'occupois  alors,  pour  laquelle  je  n’elois  millement  propre,  et  je  me  mis  a
            
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