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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 63. Band, (Jahrgang 1869)

J.  Rousseau's  Lehen.

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ki'itik,  die  er  sieh  im  Alter  ausstellt  i),  für  den  Erfolg  besorgt  war,
gänzlich  zurück 3 ).  Diese  Erfahrung  war  nicht  dazu  angethan,  um
seinen  Ehrgeiz  zu  reizen,  aber  anderseits  geeignet,  den  jungen  Autor
nicht  in  eine  falsche  Vertrauensseligkeit  einzuwiegen.  Sie  sollte  nicht
die  einzige  bleiben.  Sein  Lustspiel  Narciss,  welches  er  den  Italienern
übergab,  blieb  sieben  Jahre  liegen,  ohne  zur  Aufführung  zugelassen
zu  werden  s).  Die  Schlacht  von  Fontenoy  und  die  Festlichkeiten,
welche  im  folgenden  Winter  in  Versailles  begangen  wurden,  waren
ein  neuer  Anlass,  um  ihn  zu  kränken.  Voltaire's  Princesse  de  Navarre
mit  Musik  von  Rameau  sollte  für  die  Festlichkeiten  unter  dem  Titel
Les  Fetes  de  Ramme  umgearbeitet  werden.  Rousseau  übernahm  die
Abänderungen  in  Text  nnd  Musik.  Nach  einer  zwei  Monate  andauernden ­
  Arbeit  widerfuhr  ihm  die  Genugthuung,  dass  alle  seine  Zusätze
getadelt  und  auf  den  Textbüchern  sein  Name  nicht  einmal  genannt
wurde  4 ).  Seine  Entmuthigung  war  so  gross,  dass  er  einige  Wochen
krank  darniederlag  5 ).  Alle  Hoffnungen  auf  Ruhm  schienen  gründlich
enttäuscht  zu  werden  6 ).

*)  Rousseau  nennt  seine  Arbeit  in  den  Confessions  „ungleich  und  regellos“  (inegal
et  saus  regle  I.  p.  172)  und  gesteht  zu,  dass  sie  „bedeutender  Verbesserungen
bedürfe“  (I.  p.  176).
2 )  Er  spricht  geradezu  von  der  Eifersucht  Rameau’s,  aus  welcher  allein  seine
abfälligen  Urtlieile  zu  erklären  seien  und  deutet  auf  die  Selbstsucht  Francueil’s
und  der  Madame  Dupin  hin,  welche  zwar  durch  freundliche  Vermittlung  das  Stück
bis  zur  Erlangung  einer  Probeaufführung  geführt  hatten,  aber  doch  mehr  daran
dachten,  sich  Rousseau’s  als  ihres  Privatsecretärs  zu  bedienen.  Ob  diese  Angaben
richtig  sind,  oder  auf  einer  vorgefassten  Meinung  beruhen,  die  zu  immer  stärkern
Misstrauen  hingeneigt  macht,  dürfte  sich,  so  wahrscheinlich  sie  auch  an  sich  sind,
schwerlich  entscheiden  lassen.  Es  ist  doch  auch  eine  vielfach  zu  beobachtende
Erscheinung,  dass  die  Verfasser  derjenigen  literarischen  und  künstlerischen  Producte,
  welche,  wenn  ich  so  sagen  darf,  der  literarischen  Flegelperiode  angehören,
mit  dem  Urtheile,  welches  über  sie  gefällt  wird,  niemals  oder  selten  zufrieden
sind,  weil  die  aufgewendete  Mühe  und  der  Werth  des  Products  zweierlei  Dinge
sind  und  der  Verfasser  nur  an  die  erstere  sich  zunächst  erinnert.  —  Übrigens  ist
die  Erzählung  in  dem  Abschnitte  der  Confessions,  in  welchem  die  Schicksale  der
Muses  galantes  mitgetheilt  werden,  sehr  zerrissen.  Es  ist  das  Verschiedenartigste
zwischen  die  im  Texte  mitgetheilten  Thatsachen  hineingesehoben.
3 )  I.  |>.  202.
4 )  I.  |>.  172  f.
5 )  I.  p.  174.
6 )  Vgl.  1.  p.  176.
            
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