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Vogt
brachte, konnten eine Zeitlang das Missverhältnis verdecken. Aber
auf die Länge nützten weder Fleiss noch Eifer, weder Umsicht noch
Verlässlichkeit, weder Geschicklichkeit im Anlassen noch Gewandtheit
im Ausfuhren des Verschiedensten. Und der nächste Anlass musste
der willkommenste sein, um den Mann im Stiche zu lassen. Aber es
galt diesmal nicht bloss den Mann, sondern auch den Posten. Denn
während er bei seinen Schmeichlern, von denen er naturgemäss umgeben
war, nur verhasst war, beschleunigte er in Rousseau Gefühle
und Entschlüsse, die sich ohne ihn wahrscheinlich langsamer entwickelt
hätten. Zurücksetzungen, Beleidigungen, — das wurde alles
eine Zeitlang muthig ertragen. Bot ja der Heiz, den das venetiauische
Theater und die italienische Musik auf ihn ausübten, so viel Sonnenblicke
dar, dass es in seiner trübseligen Lage auch an Erheiterungen
nicht fehlte i). Als er aber merkte, dass die zu erduldenden Kränkungen
absichtliche seien, nahm er seinen Abschied, oder vielmehr,
er verliess das Haus, ohne einen solchen zu erhalten 2 ). So stand
der an ein unabhängiges Leben längst gewöhnte 3 ) junge Mann wieder
auf freien Füssen und hatte eine Laufbahn, welche sich hätte glänzend
gestalten können, im Rücken 4 ).
I. p. 161 f. Für seine musikalische Entwicklung ist dieser Umstand von Wichtigkeit.
Rousseau hatte von Paris das dort gehegte Vorurtheil gegen italienische
Musik mitgebracht, mais j’avois aussi regu de la nature cette sensibilite de tact
contre la quelle les prejuges ne tiennent pas.
a ) Montaigu ignorirte nämlich lange Zeit das Ansuchen Rousseau’s, ihm den Abschied
zu gewähren, I. p. 160.
8 ) Rousseau spricht zwar nur, während er die Verrichtung seiner Geschäfte erzählt
(1. p. 154), davon, dass in der Art der Ausführung sich seine glückliche Naturanlage,
die Erziehung, die ihm die „beste Frau“ und die er sich selbst gegeben,
geolfenbart habe, aber er sagt nicht, dass bei dem gefassten Entschlüsse, den
Secretärsposten zu verlassen, sein in der ganzen Jugend frei, ungebunden und
unabhängig dahingegangenes Leben mitgewirkt, um eine absichtliche Knechtung
(I. p. 160: II (Montaigu) vouloit me garder et me mater) abzuschütteln. Der
aufmerksame Leser wird diesen Schleier zu durchschauen vermögen und das
Gewicht des letztem Umstandes nicht unbeachtet lassen.
4 ) Die Abenteuer mit zwei Mädchen (I. p. 163 f.), welche Rousseau in Venedig erlebte
und von denen das eine mit dem ganzen sinnlich - romanhaften Aufputz
Rousseau’scher Art erzählt wird, sind für seine weitere Entwicklung ohne alle
Bedeutung und bilden in seinem Leben zu Venedig eine zu kurze Episode, als dass
sie eine weitere Berücksichtigung verdienten.