.1. J. Rousseau’s Lehen.
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hatte sie keine Zeit, an die Sorge fiir ihren Sohn zu denken und
Rousseau, welcher acht Tage lang während der Abwesenheit der
Mutter die Aufsicht übernahm, scheint die Erfahrung gemacht zu
haben, dass es Kinder gebe, welche statt natürlicher Eigenschaften
üble Gewohnheiten besitzen i).
Ganz nutzlos indessen waren diese Bekanntschaften denn doch
nicht. Madame de Broglie brachte Rousseau dem Grafen Montaigu,
Ambassadeur in Venedig, für den Posten eines Secretärs in Vorschlag
und so vertauschte Rousseau anderthalb Jahre lang 2 ) seine
musikalischen Projecte und Phantasien 2 ) mit den Arbeiten eines Gesandschaftssecretärs.
Montaigu war ein Graf vom alten, d. h. gewöhnlichen Schlage
des achtzehnten Jahrhunderts: unwissend in grossen wie in kleinen
Dingen 4 ), rücksichtslos und auffahrend gegen seine Untergebenen 5),
nachlässig, als sei er zu gar keinen Dienstesleistungen verpflichtet 6 ).
Zu diesen allgemeinen Tugenden gesellten sich noch andere, welche
seine Persönlichkeit besonders zierten: Eigensinn uud Kleinlichkeit,
ein aufbrausendes Wesen, vor allem aller eine gemeine Habsucht 7 ).
Das war der Mann nicht, mit dem ein langer und guter Verkehr zu
erwarten stand. Noch weniger war er geeignet, dem, der eine neue
Carriere zu ergreifen sich anschickt, dieselbe recht einladend zu
machen. Indessen die Verlegenheit und Unordnung, in welcher sich
dieser Ambassadeur mit seinen Geschäften befand, die Geschicklichkeit
ferner, welche Rousseau allem, was in seine Hände kam, entgegen-4
) Dieser Schluss lässt sich nur vermuthun^sweise aus dem, was Rousseau mittheilt,
ziehen. Er habe nämlich, wie er sagt, diese 8 Tage in grosser Pein hingebracht
und der Sohn der Madame Dupin habe später seine Familie entehrt nnd sei auf
Ile-de-Bourhon gestorben. I. p. 150.
2 ) I. p. 163. 166.
8 ) ln diese Zeit fällt der erste Entwurf der Muses galantes, eines heroischen Ballets,
wieder abgedruckt III. p. 239. f.
*) Er konnte weder dictiren noch leserlich schreiben .1. p. 153.
5 ) Siehe namentlich I. p. 159 f.
®) Das Wichtigste blieb oft der Hand des Secretärs überlassen. Siehe namentlich
I. p. 157. Die Antwort auf eine am folgenden Tage ankommende Depesche musste
auf seinen Befehl den Tag vorher abgefasst werden. I. p. 154.
7 ) Abgesehen von dem niedrigen Gehalte, welchen er dem Secretär aussetzte, erhob
er Anspüche auf die Secretariatseiukiinfte, I. p. 153, verrechnete er Rousseau eine
Kiste mit 11 Centiiern welche 45 Pfund gewogen hatte, I. p. 167.