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vorerst nur einen Versuch. Aber dieser erste Versuch schon offenbarte
die ganze Kluft zwischen dem an nachhaltige Vertiefung gewöhnten,
zu ländlicher Einsamkeit und grübelnder Beschaulichkeit
hingeneigten Geist Rousseau's und dem kurzlebigen Glanze des Pelotonfeuers
geistreicher Geselligkeit in den Pariser Kreisen; und die
erste Zusammenkunft war zu charakteristisch, um nicht der Vermuthung
Raum zu geben, dass es Rousseau, wenn es gelten sollte,
Carriere zu machen, gar bald an Lust und Geduld fehlen würde, um
auf diesem Wege auszuharren. Rousseau kommt zur Madame de
Beuzenval und Madame de Brogli. Da sprudeln „all die kleinen Stichworte
und feinen Anspielungen“, wie sie der gute Ton verlangt, —
lauter geistreiche Leerheiten. Dieselben Zungen, welche sonst an
Delicatessen gewöhnt sein mochten, waren so genügsam, mit geistigen
Abfällen vorlieb zu nehmen. Rousseau, schüchtern und geblendet vor
solchen Geistesblitzen, schweigt. Eine solche Überfülle von „Geist“
(esprit) übersteigt den Bereich der Möglichkeit. Siehe da, das Feuer
verlöscht und Rousseau weiss sich und die Gesellschaft mitten in der
Gesellschaft in seine Einsamkeit zurückzuziehen. Er liest jene „Epistel
an Parisot“ vor. Man hört mit Gespanntheit zu diesem Bilde der inneren
Entwicklung Rousseau's, man ist augenblicklich überzeugt, es
sei ihm unmöglich den Grossen zu schmeicheln, man ist gerührt über
den Sehlussgedanken, der innere Frieden sei des Weisen wahres
Glück i). Aber für sehende Augen konnte diese ganze Zusammenkunft
keinen Zweifel übrig lassen, dass sich Rousseau auf ganz fremdem
Boden befand. Die Bekanntschaft mit der Madame Dupin, welche ihn
Anfangs fesselte und welche ebenfalls ein Mittelpunkt war für Grosse
und Gelehrte 2 ), war auch nicht dazu angethan, um jene Kluft verschwinden
zu machen. Von dem Glanze ihrer Cirkel ganz erfüllt,
*) Die geistreichen Kreise (Rureaux d’esprit) einer Tencin, Geoffrin . Deffant
(Schlosser, Geschichte des 18. Jahrhunderts 5. Aufl. I. 518—531) haben für die
Bildung des achtzehnten Jahrhunderts, namentlich der vornehmen Kreise, welche
von dem eigentlichen Volke durch eine nicht geringe Kluft getrennt waren
(Schlosser a. a. O. S. 542 f.), eine Bedeutung, welche nicht unterschätzt werden
darf. Rousseau hebt — und das muss der Leser der Confessions im Auge behalten,
— nur die schwachen Seiten derselben hervor. Er hat mehr die Eitelkeit derer
im Sinne, welche mit dem Luxus der Bildungsmittel sich zu befriedigen sucht, als
den Werth dieser Bildungsmittel selbst. Für das Bild der inneren Entwicklung
Rousseau's ist das Letztere allerdings von secundärer Bedeutung.
2) 1. p. 149.