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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 63. Band, (Jahrgang 1869)

J.  J.  Roysseau’s  Leben.

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Ein  Regiment,  frei  von  aller  Härte,  ein  Ziel,  in  welchem  Bildung  des
Herzens,  der  Urtheilskral't  (jugement)  und  des  Geistes  (esprit),  „und
zwar,“  wie  der  junge  Instructor-überlegter  Weise  hinzusetzt,  „in  der
angegebenen  Ordnung“  verfolgt  wird,  ohne  dass  religiöse  und  moralische ­
  Vorschriften  gelernt  als  vielmehr  geübt  werden,  eine  Bildung,
die  auf  Welt-  und  Menschenkenntniss  hinarbeitet  und  an  der  Hand
eines  bestimmten  Lectionsplans  erreicht  werden  soll,  —  dies  war
der  Gedankenkreis,  den  er  sich  zu  bilden  bemüht  war').  Dennoch
fand  diese  Erziehungsthiitigkeit  Rousseau’s  schon  nach  Verlaufeines
Jahres  ihr  schnelles  Ende 2 ).  An  den  Eltern  der  noch  nicht  zehnjährigen ­
  Zöglinge  lag  es  nicht,  dass  seine  Entfernung  aus  dem  Hause
etwa  gewünscht  worden  wäre.  Aber  man  frage  sich  doch,  ob  derjenige, ­
  in  dessen  Geiste  es  immer  stärker  zu  gähren  begann,  wohl
so  viel  langandauernde  Geduld  besessen  haben  könne,  um  in  bescheidener ­
  Lage  ruhig  auszuharren.  Versuche  und  Entwürfe  verschiedener ­
  Art  hatten  längst  seine  Gedanken  beschäftigt.  Der  Text
einer  tragischen  Oper,  „Iphis  und  Anaxarete,“  ein  Lustspiel  „Narciss“«)
waren  schon  in  Chambery  verfasst  worden;  als  Erzieher  zu  Lyon
dichtete  er  einen  neuen  Operntext,  „die  Entdeckung  der  neuen  Welt“
und  eine  „Epistel  an  Parisot“,  welche  den  inneren  Frieden  als  des
Weisen  einzigen  und  wahren  Trost  erklärt 4 ),  von  den  musikalischen
Entwürfen,  die  er  doch  auch  nicht  gänzlich  vergessen  haben  konnte,
gar  nicht  zu  reden  5 ).  Mehr  als  alles  dies  verdient  noch  ein  anderer
;  *)  Riese  Punkte  über  die  Aufgabe  der  Erziehung  bilden  den  wesentlichen  Inhalt  des
dem  Herrn  von  Mably  vorgelegten  Project  pour  l’education  de  M.  de  Sainte-Marie,
abgedruckt  III.  p.  269—278.  Über  die  drei  Punkte  des  Zieles  p.  272.  Dass  dieser
Plan  erst  im  Verlaute  des  Jahres  abgefasst  wurde  (p.  271  :  Nous  approchons  de
la  fin  de  i’annee),  ändert  in  der  Hauptsache  nichts  '
2 )  I.  p.  140.
8 )  Jenen  Operntext  hatte  er  wieder  ins  Feuer  geworfen,  I.  p.  151;  es  ist  jedoch  ein
Kragment  erhalten,  III.  p.  262—264.  „Narciss“  ist  abgedruckt  III.  p.  192—210;
über  seinen  Ursprung  s.  I.  p.  61.
Die  „Entdeckung  der  neuen  Welt“  ist  zum  Theil  erhalten  (III.  p.  254  f),  wahrscheinlich ­
  ein  früherer  Entwurf,  denn  das  letzte  Concept  wurde  ebenfalls  dem
Feuer  überliefert  I.  p.  151;  die  Epistel  findet  sich  in  Hl.  p.  361.  Vgl.  I.  p.  149.
5 )  Über  alle  diese  Projecte  erfahrt  der  Leser  in  der  Erzählung  seiner  Erziehungsthätigkeit
  (I.  p.  138  f.)  kein  Wort;  dieselben  werden  erst  im  folgenden  Buche
gelegentlich  angeführt.  Der  flüchtige  Leser  erhält  auf  diese  Weise  von  jener
Darstellung  eine  ganz  schiefe  Vorstellung,  vollends  wenn  er  Worte  von  so  überbescheidener ­
  Selbstkritik  liest  wie  :  was  ich  that,  war  grade  das  (legentheil  von

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