J. .1. Rousseau’s Leben.
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einen nähern Umgang mit einem Perrückenmacher, einer gemeinen
Natur, angeknüpft, und Rousseau, obwohl selbst sinnlich genug, da
ja auch dieser Zug seine natürliche und ungehinderte Entwicklung
erfahren konnte, und obwohl sich glücklich fühlend in jener Lage,
welche seine Liebe für die Studien, für die Natur, die ländliche Ein^
samkeit und für die Weiber zufrieden stellte *), hatte doch so viel
gesundes Schamgefühl und so viel Willenskraft, dass er, obwohl mit
ihr in einem Hause zusammenwohnend, doch zwei Jahre hindurch
sich ihrer enthielt 3 ) und dann, als der gegenwärtige Reiz durch
Studien nicht bleibend verdrängt werden konnte, sondern nur zu
einer Quelle von Leiden und Kümmernissen wurde s), sich gänzlich
von ihr trennte.
p. 102: eile ne pouvoit concevoir qu’on donnat tant d’importance ä ce qui n’en
avoit pour eile). Das war aber nicht das Zeichen der Leidenschaftslosigkeit, sondern
des Mangels an jener Erregung, welche mit der Frische der Empfänglichkeit
verbunden ist. Übrigens mag das Motiv dabei im Spiele sein, sie vor der Welt in
Schutz zu nehmen, aber wichtiger ist es, sich die in der Einleitung angegebene
Anschauung Rousseau’s zu vergegenwärtigen , welche es augenscheinlich macht,
dass er in der Beurtheilung Anderer nicht weniger, wie seiner selbst durch sie
befangen wurde.
*) Den Mangel an Übeln, welche dem Alter gegenwärtig erscheinen, in der Jugend
als ein positives Glück zu empfinden, ist überhaupt nicht möglich. Die Güter, in
deren Vollgenuss Rousseau in Les Charmettes wirklich war, sind: Freiheit von
Kummer und Sorgen, ländlicher Aufenthalt, zärtlicher weiblicher Umgang und
Freude an dem durch Studien erweiterten Geistesblick. Siehe das Gedicht Le verger
des Charmettes III. p. 357 (v. J. 1736). Im Alter, d. h. bei Abfassung der Confessions
erschien ihm jener Aufenthalt in Les Charmettes als das goldene Zeitalter seines
* Lebens: Ici commence le court bonheur de ma vie; ici viennent les paisibles,
mais rapides momens qui m’ont donne le droit de dire que j’ai vecu (I. p. 117,
livre VI).
*) Nach den Briefen aus Montpellier vom 14. December 1737 (IV. p. 176) und aus
Lyon vom 1. Mai 1740 (IV. p. 180) vom Januar 1738 bis April 1740. Er sagt:
Je tins cette resolution avec une constance, digne, j’ose le dire, du sentiment,
qui me l’avoit fait former (I. p. 137).
3 ) Rousseau gibt diesem peinlichen Widerstreit Worte I. p. 138: Cette vie me devint
bientöt tout-ä-fait insupportable. Je sentis que la presence personnelle et l’eloignement
de coeur d’une femme qui m’etoit si obere irritoient ma douleur, et qu’en
cessant de la voir je m’en sentirois moins cruellement separe. Es scheint aber
nicht, als ob Rousseau von dieser Erfahrung für seine spätere Anschauung einen
Nutzen gezogen habe.