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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 63. Band, (Jahrgang 1869)

Vogt

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Gegentheil  von  ihr  zeigt?  Solch  innerer  Conflict  kann  zu  philosophischen ­
  Studien  treiben,  zumal  echtes  philosophisches-  Interesse  vielleicht ­
  immer  aus  dem  Boden  innerer  Confliete  emporkeimt.
Philosophie  und  Mathematik,  Latein  und  Geschichte,  Geographie
und  Astronomie,  endlich  etwas  Physiologie  und  Anatomie,  —  dies
waren  die  Gegenstände,  welche  in  den  Kreis  der  Studien  gezogen,
oder  besser  gesagt,  welche  zur  Aufgabe  des  mühsamen  Arbeitens  ge-  &
macht  wurden.  Denn  es  leuchtet  wohl  ein,  dass  alle  die  geistigen
Dispositionen,  welche  in  ihm  vorhanden  waren,  ihn  der  mühsamen
Arbeit  nicht  entheben  konnten,  wenn  die  angesammelten  Fragmente
nicht  mehr  Fragmente  bleiben  sollten.  Ein  Gerichtsverweser  in  Annecy,
  den  er  während  seines  früheren  Aufenthalts  daselbst  kennen
gelernt  hatte  und  jetzt  häufig  besuchte  i),  unterstützte  ihn  zwar  zeitweilig ­
  mit  seinem  Rath,  aber  das  mühselige  Fortschreiten  glich  dennoch ­
  gar  oft  einem  Suchen  in  der  Wüste.  Im  Sprachunterrichte  fand
er  gar  keinen  geeigneten  Weg  des  sicheren  Fortschritts:  die  grammatischen ­
  Regeln  blieben  ihm  blosse  „Haufen“  (foules)  von  Regeln,
die  ihn  verwirrten 3 );  für  das  Erlernen  der  Prosodie  zeigte  sich  ihm
ein  Weg,  noch  dazu  ein  müheloser  und  spielender:  er  skandirte  ohne
weiters  den  ganzen  Virgil  durch  und  merkte  die  Versfüsse  und  Quantitäten ­
  an:  aber  dieser  Weg  führte  wegen  der  Abweichungen  auf
richtige  und  falsche  Regeln;  der  feste  Gang,  den  die  Mathematik  an
und  für  sich  hat,  ersparte  ihm  die  Mühe,  sich  eine  besondere  Form
für  seinen  Selbstunterricht  zu  suchen,  aber  der  Mangel  an  mathematischer ­
  Phantasie  war  doch  so  gross,  dass  er  die  „Anwendung  der
Algebra  auf  die  Geometrie  nie  recht  begriff“  3 );  in  der  Philosophie

*)  I.  p.  73:  Dans  Ia  suite,  lorsque  j'eus  pris  du  goAt  pour  l’etude,  je  cultivai  son
connoisance,  et  je  m’en  trouvai  tres-bien.  I’allois  quelquefois  le  voir  de  Chamberi,
ou  j’etois  alors.  II  louoit,  animoit  mon  emulation,  et  me  donnoit  pour  ines  leetures
de  bons  avis,  dont  j’ai  souvent  fait  mon  profit.  Ob  der  Mann  —  Simon  war  sein
Name  —,  trotz  dieser  Worte  der  Erkenntlichkeit  als  der  geeignetste  Führer
Rousseau's  angesehen  werden  kann,  ist  sehr  zu  bezweifeln.  Rousseau  theilt
nämlich  gleichzeitig  mit,  dass  er  für  sein  juridisches  Metier  keine  Liebe  gehabt
und  dass  sein  Interesse  für  schöne  Literatur  in  Curiositäten  und  Anekdoten  sich
concentrirt  habe.
2 )  I.  p.  124.  Je  me  perdois  dans  ces  foules  de  regles,  et  en  apprenant  la  derniere,
j'oubliais  tout  ce  que  avoit  precede.
8 )  I.  123:  Je  n'ai  jamais  ete  assez  loin  pour  bien  sentir  I’application  de  l'algebre  a
Ja  geometrie.

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