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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 63. Band, (Jahrgang 1869)

.1.  .1.  Rousseau’s  Leben.

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Was  er  später  schrieb,  stützt  sich  auf  seine  eigenen  Erlebnisse.  Nicht
bloss  den  Aufenthaltsort  der  Helden  seiner  neuen  Heloise  hatte  er  besucht ­
  und  in  Träumen  versunken  durchwandert,  auch  in  seinem  Vorträge ­
  der  Naturreligion  lebt  die  Erinnerung  an  Gaime  und  Gätier.
In  diesem  lebendigen  Hintergründe  liegt  einer  von  den  wesentlichen
Gründen,  warum  später  Rousseau's  Schriften  auf  ein  keineswegs  gewöhnliches ­
  Publikum  einen  so  fesselnden  und  packenden  Eindruck
zu  machen  im  Stande  waren  und  das  Studium  seiner  Bekenntnisse
führt  zur  Erkenntniss  der  Ursachen,  welche  bewirkten,  dass  die
Werke  des  reifen  Mannesalters  einen  so  fesselnden  Eindruck  gemacht ­
  haben.  Es  kommt  kein  leeres  Wortgerippe  zu  Tage,  wenn  die
Eingebungen  an  dem  Fleisch  und  Blut  innerer  Erlebnisse  haften  und
jene  Periode,  wenn  auch  nicht  ausschliesslich  sie,  legt  es  klar  vor
Augen,  dass  seine  spätem  Eingehungen  aus  einer  Lebenswurzel
stammten.
3.  Capitel.  Studien.
Mit  seiner  Ankunft  in  Chambery  war  allem  irren  Herumschweifen ­
  ein  Ende  gemacht  und  die  Furcht  vor  einer  neuen  Nothlage  entfernt. ­
  Ein  achtjähriger  >)  Aufenthalt  daselbst  gab  ihm  Gelegenheit,
seinem  Geiste  diejenige  ernstere  Ausbildung  zu  verschaffen,  deren
er  bedurfte,  und  liess  seinem  Charakter  Zeit,  eine  Form  anzunehmen,
deren  stärkere  Ausprägung  gerade  in  diese  Lebensjahre  fällt.  Jedoch
nicht  allsogleich  mit  seiner  Ankunft  wurde  der  Anfang  damit  gemacht.
Eine  geraume  Zeit  verging  unter  Versuchen  und  wechselnden  Beschäftigungen, ­
  unter  nützlichen  und  zwecklosen  Bemühungen 3 ),  bis  auf
den  Anstoss  äusserer  Umstände  mit  grösserem  Ernste  und  wachsendem ­
  Interesse  diejenige  Beschäftigung  ergriffen  wurde,  welche  sein
eigentliches  Lebenselement  bleiben  und  den  Kern  seiner  spätem
Thätigkeit  und  Bedeutung  ausmachen  sollte.  Es  wäre  auch  wunderbar ­
  gewesen,  wenn  die  Ruhe  und  Sammlung  für  ernste  und  anhaltende ­
  Studien  sogleich  eingetreten  wäre.  Wer  einen  so  bunten
Wechsel  eines  abenteuerlichen  Lebens  erfahren,  wie  Rousseau  in
seiner  Jugend,  wer  so  viel  Zeit  der  sehnsüchtigen  Schwärmerei  ge-1

 )  p.  92.  Rousseau  kam  im  Herbst  1732  an  und  ging  im  Frühling  1740  nach  Lyon.
Ausserdem  kommen  zeitweilige  kurze  Reisen  von  diesen  acht  .lahren  in  Abrechnung.
2 )  Sie  bilden  den  Inhalt  des  5.  Ruches  der  Confessions.
            
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