.1. .1. Rousseau’s Leben.
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Was er später schrieb, stützt sich auf seine eigenen Erlebnisse. Nicht
bloss den Aufenthaltsort der Helden seiner neuen Heloise hatte er besucht
und in Träumen versunken durchwandert, auch in seinem Vorträge
der Naturreligion lebt die Erinnerung an Gaime und Gätier.
In diesem lebendigen Hintergründe liegt einer von den wesentlichen
Gründen, warum später Rousseau's Schriften auf ein keineswegs gewöhnliches
Publikum einen so fesselnden und packenden Eindruck
zu machen im Stande waren und das Studium seiner Bekenntnisse
führt zur Erkenntniss der Ursachen, welche bewirkten, dass die
Werke des reifen Mannesalters einen so fesselnden Eindruck gemacht
haben. Es kommt kein leeres Wortgerippe zu Tage, wenn die
Eingebungen an dem Fleisch und Blut innerer Erlebnisse haften und
jene Periode, wenn auch nicht ausschliesslich sie, legt es klar vor
Augen, dass seine spätem Eingehungen aus einer Lebenswurzel
stammten.
3. Capitel. Studien.
Mit seiner Ankunft in Chambery war allem irren Herumschweifen
ein Ende gemacht und die Furcht vor einer neuen Nothlage entfernt.
Ein achtjähriger >) Aufenthalt daselbst gab ihm Gelegenheit,
seinem Geiste diejenige ernstere Ausbildung zu verschaffen, deren
er bedurfte, und liess seinem Charakter Zeit, eine Form anzunehmen,
deren stärkere Ausprägung gerade in diese Lebensjahre fällt. Jedoch
nicht allsogleich mit seiner Ankunft wurde der Anfang damit gemacht.
Eine geraume Zeit verging unter Versuchen und wechselnden Beschäftigungen,
unter nützlichen und zwecklosen Bemühungen 3 ), bis auf
den Anstoss äusserer Umstände mit grösserem Ernste und wachsendem
Interesse diejenige Beschäftigung ergriffen wurde, welche sein
eigentliches Lebenselement bleiben und den Kern seiner spätem
Thätigkeit und Bedeutung ausmachen sollte. Es wäre auch wunderbar
gewesen, wenn die Ruhe und Sammlung für ernste und anhaltende
Studien sogleich eingetreten wäre. Wer einen so bunten
Wechsel eines abenteuerlichen Lebens erfahren, wie Rousseau in
seiner Jugend, wer so viel Zeit der sehnsüchtigen Schwärmerei ge-1
) p. 92. Rousseau kam im Herbst 1732 an und ging im Frühling 1740 nach Lyon.
Ausserdem kommen zeitweilige kurze Reisen von diesen acht .lahren in Abrechnung.
2 ) Sie bilden den Inhalt des 5. Ruches der Confessions.