J. J. Rousseau’s Leben.
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zusetzen wusste. Der bessern Schulung und Routine seines Bekehrers
gelang es, den jungen Kämpfer zu besiegen und die Vorbereitung so
weit zu führen, dass er die Accessorien der Taufe empfangen konnte.
Mit einem kleinen Taschengeld und der Erinnerung an früher ihm
unbekannte sittenlose Bräuche 1 ) yerliess er das Hospiz, um die Unabhängigkeit
nach diesem klösterlich abgeschiedenen Lehen mit verdoppelter
Freude zu geniessen. Die Einfachheit des Lehens, mit welcher
der Knabe in Genf und wohl auch im elterlichen Hause vertraut
gemacht worden war, begann schon jetzt ihre Wirkung zu äussern:
Rousseau wusste mit wenigem Haus zu halten und hatte die Vorsicht,
bei seinen Ausgaben, „mehr nach seinem Beutel als nach seinem Geschmack“
sich zu richten 3 ). Das war um so nöthiger als seine Fertigkeit
im Kupferstechen, welche es ihm möglich machte, die Anfertigung
von Buchstaben oder Wappen auf Geräth in den Kaufläden
von Turin anzutragen, ihm nur wenig Geld eintrug, und das Abenteuer
mit einer jungen schönen Kaufmannsfrau, zu welchem das Anbieten
seiner Fertigkeit denAnstoss gab, sammt der Unterstützung, die er von
ihr erfahren, durch die Eifersucht desGemals mit einer unfreundlichen
Entfernung desjungen Galans ein frühes Ende fand 3 ). Bald darauf wurde
er Lakei einer gebildeten, namentlich in der französischen Literatur
bewanderten Gräfin, und sein Hauptgeschäft bestand darin, nach ihrem
Dictate zu schreiben, ein Geschäft, welches drei Monate lang währte 4 ).
D Auf das Geschrei, welches Rousseau, nachdem er von einem Convertiten insultirt
worden war, erhob, erhielt nicht dieser, sondern Rousseau eine Strafpredigt, Der
Mann mit solchem Takte hatte noch die Stirn zu sagen, qu’il n’y avoit de quoi s’irriter
si fort pour avoir ete trouve aimable. I. p. 34. Rousseau hielt sich zwar, wie
aus einer Bemerkung im vierten Buche (1. p. 78) hervorgeht, „unverholen und unbedenklich“
zum katholischen Gottesdienste, aber er sagt uns nicht, ob er mit
aufrichtiger Gesinnung zur katholischen Kirche übergetreten sei, sondern bemerkt
im Gegentheile, er sei nach dem „Bedünken der Lehrer“ (au gre de ines maitres
1. p. 34) «1s zur Taufe hinlänglich vorbereitet erachtet worden. So wenigstens
urtheilt — und vielleicht nicht unrichtig — Rousseau, als er seine Bekenntnisse
schrieb, d. h. mehr als 40 Jahre nach dieser Bekehrung, 1. p. 42.
2 ) I. p. 36. Von der Einfachheit des Lebens im elterlichen Hause spricht Rousseau im
ersten Buche der Confess. zwar nicht, aber diese Vermuthung liegt nahe, hingegen
hebt er sie als eine Eigenschaft Lamberciers ausdrücklich hervor, 1. p. 3. Von den
einfachen Sitten in Genf, weiche Voltaire durch seinen Einfluss verderbe, spricht
Rousseau im 10- Buche. I. p. 286.
3 ) 1. p. 36.
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