J. .1. Rousseau’« Lehen.
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„platten und faden Büchern“ seinen geistigen Durst zu löschen und
als die Sammlung durchstöbert war, wenigstens in der Einsamkeit
die Situationen, in welche die Lectüre ihn versetzt hatte, sieh noch
einmal zu vergegenwärtigen *). Diese Lesewuth wurde eine neue
Quelle von Misshandlungen, die er erfahren musste. Es bedurfte nur
noch einer Veranlassung, um die Katastrophe herbeizuführen. Schon
zweimal hatte er nach seinen Abendausgängen die Stadt bei verschlossenen
Thoren erreicht und da er bei der dritten ebenso späten
Ankunft wusste, welcher Empfang ihn am andern Morgen erwartete,
so kehrte er gar nicht mehr zurück und brach mit einer Umgebung,
an die ihn nichts fesselte. Diese erste selbständige Handlung fallt in
sein 15. Lebensjahr 2).
Es kann dem Blicke dessen, der diese erste und wichtige Periode
seines Lebens übersieht, nicht entgehen, dass mit Ausnahme des
zweijährigen Aufenthalts in Bossey es Rousseau an einer anhaltenden
und für ihn geeigneten Beschäftigung und Arbeit fehlte. Dieser
Mangel verbunden mit der von einiger Verzärtelung s) begleiteten
frühzeitigen Einführung in eine romanhafte Welt, welche später aus
eigenem Antriebe wieder aufgesucht wurde, bewirkten nicht nur,
dass der Knabe in Spielereien mit dem andern Geschlechte gerieth,
welche um ein Jahrzehnt verfrüht waren, sondern sorgten auch dafür,
dass ein romanhaft-sinnlicher Zug in ihm zur erworbenen Anlage
wurde 4 ). Aber auch zu dem Gedanken treibt jene Übersicht den
D I. p. 19 f.
2 ) I. p. 20. Wenn sein Genfer Aufenthalt (s. oben) drei Jahre dauerte, so währte seine
Lehrzeit ebenfalls drei Jahre.
8 ) Rousseau gesteht das mit einer Einschränkung zu. I. p. 4: Les enfans des rois ne
sauroient etre soignes avec plus de zele que je le fus durant mes premiers ans idolätre
de tout ce qui m’entouroit, et toujours, ce qui est bien plus rare, traite en
enfant eheri, jamais en enfant gate.
4) Die beiden grössten Werke seines reifen Mannesalters werden das später beweisen.
Sie sind Romane. Einen näherliegenderen Beweis liefern die Confessions selbst. Der
romanhaft-sinnliche Zug ist es, welcher den „Bekenntnissen“ überhaupt jenen,
prickelnden Reiz gibt, der zur Verbreitung des Buches so wesentlich beigetragen,
und dafür gibt schon das erste Buch, welches unserm ersten Capitel entspricht,
Belege genug an die Hand. Nicht nur das Verhältniss mit den zwei Mädchen in
Nyon erfährt eine genaue Beschreibung, auch der Reiz, den die 30jährige Lambercier
auf die Empfindung des 9jährigen Knaben ausgeübt, wird zu schildern
nicht vergessen, ja noch mehr: Rousseau will die Urheber seiner Tage dem Leser
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