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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 63. Band, (Jahrgang 1869)

J.  J.  Ronsseau’s  Leben.

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aber  unverschuldete  Strafe  zugezogen  hätte  i),  die  Erinnerungen  an
Bossey  wären  für  ihn  durchaus  angenehme  geblieben.
Nach  Genf  zurückgekehrt  verweilte  er  zwei  oder  drei  Jahre  bei
seinem  mütterlichen  Oheim,  einem  Manne,  der  „ebenso  wie  der  Vater
ein  genussliebender  Mann  war“  s ).  Während  die  Muhme  lieber
Psalmen  sang,  statt  über  die  Erziehung  zu  wachen,  überlegte  der
Oheim  hin  und  her,  was  er  mit  dem  Knaben  thun  solle,  ohne  es  zu
einem  bestimmten  Entschlüsse  zu  bringen.  Dem  Knaben  blieb  auf
diese  Weise  nichts  übrig,  als  die  „fast  vollständige  Freiheit“,  die
man  ihm  und  seinem  gleichaltrigen  Vetter  und  Freunde  Hess,  einem
müssigen  Zeitvertreib  zum  Opfer  zu  bringen  und  allerlei  Spiele  und
Albernheiten  zu  treiben  «).  Unter  die  letzteren  gehören  zwei  Abenteuer, ­
  welche  der  elfjährige  Galan  mit  einem  kleinen  und  einem
bereits  22jährigen  Mädchen  bestand,  und  zwar  unter  den  sorglichen
Augen  seines  in  Nyon  weilenden  Vaters,  den  er  bisweilen  besuchte 4 ),
ln  dieser  Zeit  seines  Lebens  ist  es  überhaupt  das  letzte  Mal,  dass
Rousseau  während  eines  zeitweiligen  Aufenthalts  unter  der  Aufsicht
seines  Vaters  stand.
Endlich  wurde  von  seinem  Oheim  ein  Entschluss  gefasst.
Rousseau  wurde  zu  einem  Stadtschreiber  geschickt,  und  der  an
müssigen  Zeitvertreib  gewöhnte  Knabe  sollte  den  ganzen  Tag  mit
angespannter  Arbeit  sitzend  verbringen.  Er  zeigte  wenig  Geschick
dazu  und  wurde  in  kurzer  Zeit  wieder  fortgeschickt.  Was  blieb  nun
übrig  als  eine  Profession?  Was  dem  Oheim  als  Missgriff  erschien,
war  ihm  zugleich  ein  Fingerzeig,  in  der  Wahl  der  Beschäftigung
noch  eine  Stufe  tiefer  zu  greifen  5 )  und  er  schickte  ihn  zu  einem
Kupferstecher,  einem  „groben  und  heftigen  Manne“.  Rousseau  fand
an  dem  Handwerk  namentlich  am  Zeichnen,  Anfangs  Wohlgefallen.

')  I.  p  8  f.
a )  I.  |>.  12:  Mon  onc!e,  liomnie  de  plaisir  ninsi  qiie  ninn  pere.
3 )  Rousseau  führt  mit  Recht  darüber  Klage.  I.  p.  14:  Ainsi  re  perdoit  en  niaiseries  Io
plus  precieux  temps  de  mon  enfance  avant  qu’on  nft  decide  de  ma  destination.
U  I.  p.  12  f.
5 )  Der  Verkehr  mit  seinem  Vetter  und  Freunde  hörte  später  allmählig  auf,  weil  die
Eltern  den  Umgang  eines  Kindes  „vom  Stande“  mit  einem  Lehrjungen  nicht  dulden
mochten.  II  etoit,  lui,  un  garfon  } du  haut’;  moi,  chctif  apprenti,  je  n'etois  plus
qu’un  enfant  de  3 Saint-Gervais  ’.  I.  p.  21.  „Saint-Gervais  ist  ein  niedrig  gelegenes
und  von  Armen  bewohntes  Stadtviertel  von  Genf.“  Muss  et-Pa  thay  a.  a  0.  p.  63.
            
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