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Vogl
eine rhetorische Verbildung getrieben, sein Herz zur Bühne gemacht,
um durch Darstellung seiner Wandlungen und Erlebnisse dem Publicum
eine schöne Schaustellung darzubieten. Darum dieser Prolog
und sein hoher Ton. Einer genügsamen Betrachtungsweise, welche
aus abgerissenen Bruchstücken ein voreiliges Urtheil zu schöpfen
gewohnt ist, ist jene Verurtheilung auch nicht zu verargen. Indessen
erwäge man, ohne dass späteren Betrachtungen vorgegriffen werde,
vorläufig nur Folgendes. Passt wohl für die selbstgefällige Bespiegelung
des Eitlen das offene Gestäudniss von Schwächen und Fehlern,
wie Rousseau selbst, nicht ohne dem eigenen Abscheu Worte zu
leihen, es häufig genug ahlegt? Stimmt wohl mit jener Schwäche ein
Unabhängigkeitssinn überein, welcher, ich will gar nicht sagen, den
Schwächen der Welt zu trotzen, sondern nur, welcher sich selbst
aus Lieblingswünschen herauszureissen die Kraft hat? •) Hat denn
eine Denkkraft, deren Producte Originalität besitzen, keine andere
Sorge, als die angeblichen Schätze des engen Horizonts der Eitelkeit
ängstlich zu hüten? 2 ) Mag man an der angenommenen Objectivität
für die Darstellung des eigenen Lehens begründete Zweifel
hegen: so lange diese Fragen verneint werden, wird man statt
der angeblichen Eitelkeit ein anderes Motiv für die Abfassung
sich zu denken haben, und man wird der Möglichkeit Raum gehen
müssen, hinter jenen Worten Rousseau's eine andere Bedeutung als
blos den Ausdruck der Eitelkeit zu erblicken.
Nicht so günstig fällt die Betrachtung in einer anderen Richtung
aus. Ein so starker Trost auch in dem Selbstgefühl der Bildung
gegenüber dem Lohn der Unwissenheit liegen mag: wenn Rousseau
den Unterschied zwischen blossen Worten und Thaten kannte — und
er kannte ihn gut — s), wenn er es für geziemender halten mochte,
Uber das Streben Rousseau’s. sich selbst zu bezwingen, vgl. nameutlich das
5. Capitel.
2 J Wer Gründe mehr zu wägen als zu zählen versteht, wird am folgenden Factum
Interesse finden. Als Eymar im Jahre 1774 das Manuscript eines philosophischen
Werkes Rousseau mit der Bitte überreichte, ihm vor der Drucklegung sein Urtheil
mitzutheilen, antwortete dieser: Vous avez ici mille personnes h consulter et de
qui vous pourrez reeevoir les meines lumieres et les memes Services. Musset-Pathay,
Oeuvres inedits de J. J. Rousseau suivies d’uu Supplement a l’histoire
de sa vie et des ses ouvrages. Paris, 1825. II, p. 37.
3 ) Als Rousseau auf dem Titel des eben genannten und von Eymar ihm übergebenen
Manuscripts eine Versprechung bemerkte, die viel besser Sache der Ausführung