218
P f i z in a i e r
Die Unsterblichen stehen den wahren Menschen im Range nach.
Man theilt sie in Unsterbliche des Himmels und Unsterbliche der
Erde. Beide Classen sind ursprünglich irdische Menschen, die durch
die Übung des Weges unsterblich geworden sind. Die Ersteren
wohnen in den verschiedenen Palästen des Himmels und sind daselbst
gleich den wahren Menschen mit dem Range von Obrigkeiten bekleidet.
Die Letzteren, die sich eine geringere Kunst des Weges angeeignet
haben, wohnen entweder unter den Menschen oder auf Bergen,
in Höhlen, Tiefen der Berge, sogenannten „Himmeln der Tiefen“ und
sind gewöhnlich durch besondere Fähigkeiten und Vorzüge, wie
durch die Kunst, schnell zu gehen, Krankheiten zu heilen, durch die
Gabe der Vorhersagung, durch Unempfindlichkeit gegen Hitze und
Kälte, ausgezeichnet. Zu den Mitteln, durch welche man ein Unsterblicher
wird, gehört nebst einem reinen und tugendhaften Lebenswandel
der Gebrauch gewisser, oft sehr eigenthümlicher Arzneimittel,
unter welchen das Heilmittel der Luft, Mennig, Goldsaft, Edelsteinfett,
Frauenglas, Fichtenharz, Fichtenzapfen, Stechwinde und ähnliche
Dinge genannt werden.
Die vorliegende Abhandlung bringt eine Reibe von Aufzeichnungen,
die, in alten Schriftstellern enthalten, Aufschlüsse über die
erwähnten Gegenstände zu geben vermögen. Diese Aufzeichnungen
sind theils erklärender Art, theils sind es Nachrichten von Menschen,
die, in verschiedenen Zeiträumen lebend, nach dem Glauben der Anhänger
des Weges zu der Rangstufe von wahren Menschen und Unsterblichen
gelangten.
Die wahren Menschen.
Das grosse höchste Buch (tai-schang-king) sagt:
In dem Himmel des grossen Unscheinbaren sind vier und zwanzig
Lüfte 1 ). Sie mengen sich unter einander, sammeln sich ohne
*) Das grosse Unscheinbare ist eines der drei im Norden des Nössels des Nordens
gelegenen Sternbilder: das purpurne Unscheinbare, das grosse Unscheinbare,
das kleine Unscheinbare. Dasselbe ist der Vorhof des Himmelssohnes, der Sitz
des Himmelskaisers, das Versaramlungshaus der zwölf Lehensfürsten. Die vier
und zwanzig Lüfte sind die vier und zwanzig ersten Tage der halben Monate des
Jahres.