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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 63. Band, (Jahrgang 1869)

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v.  Bergmann

Hofrath  beim  Grafen  und  seit  1709  Fürsten  Anton  Günther  von
Schwarzburg  (f  1716),  der  zu  Arnstadt  eine  auserlesene  Münzsammlung ­
  hatte,  wo  er  sich  in  diesem  Fache  besonders  ausbildete.
Im  Jahre  1709  kam  Herseus  nach  Wien,  und  trat,  nachdem  er
zur  katholischen  Kirche  sich  bekannt  hatte,  als  „neuer  MedaillenundAntiquitäten-Inspector“
  am  1.  November  1710  mit  dem
Jahresgehalte  von  750  Gulden  in  Kaiser  Joseph’s  I.  Dienste,
nach  dessen  am  17.  April  1711  allzufrüh  erfolgtem  Hinscheiden  in
gleicher  Eigenschaft  in  die  seines  Bruders  und  Nachfolgers  Kaiser
Karl’s  VI.,  und  entwickelte  bei  seiner  Vorbildung  eine  um  so  grössere
und  umsichtsvollere  Thätigkeit,  als  sein  kaiserlicher  Herr  ein  grosser
Freund  und  Förderer  der  Numismatik  war.
Seine  Majestät  der  Kaiser  liess  schon  damals  (1715)  aus  seiner
reservirten  Spielcassa  jährliche  viertausend  Gulden  für  dieses
sein  Lieblings-Cabinet  anweisen.  Es  erhielt  unter  Heraeus  wesentliche ­
  Bereicherungen,  theils  durch  Übertragung  der  Münzsammlung
aus  dem  Schlosse  Ambras  in  Tirol,  theils  durch  Ankauf  aus  Augsburg, ­
  der  Schweiz  und  besonders  durch  werthvolle  Sendungen  aus
Rom,  Ferrara,  Sieilien  etc.,  indem  die  Gesandten  und  Geschäftsträger ­
  in  Italien  für  die  Bereicherung  der  kaiserlichen  Sammlung
wachsam  bedacht  waren,  so  dass  diese  im  Laufe  von  acht  bis  zehn
Jahren  zu  einer  schönen,  viel  versprechenden  Blüthe  sich  entfaltete.
Leider  aber  kam  der  frische  Trieb  durch  die  Schuld  des  mit
der  Pflege  vertrauten  Gärtners  in  Stockung,  indem  er  im  Jahre  1719
vom  Bergwerksdämon  von  der  sicheren  Bahn  in  Wien  zum  Berghau
in  der  rauhen  obersteierischen  Ve  itsch 1 )  sich  verlocken  liess,  und  so,
zwischen  seinem  ehrenvollen  Amte  und  seinem  bergmännischen  Unternehmen ­
  getheilt,  in  eine  schiefe  Stellung  gerieth.
Ein  unglückliches  Unternehmen,  von  welchem  ihn  ein  Herr  von
Vogelsang,  der  Gatte  seiner  Schwester,  aus  Hüninghausen  (im
Waldeckischen)  ddo.  8.  Februar  1721  abmahnte  und  ihm  rieth,  vom
kaiserlichen  Hofe  sich  nicht  zu  entfernen  und  sein  Talent  der  Mitund
  Nachwelt  nicht  zu  entziehen.  (S.  Sitzb.  Bd.  XIII.  609.)

J )  Die  Berggegend,  in  welcher  die  Orte  Gross-  und  Kleinveitsch  gelegen  sind,  heisst
die  Veitsch.
            
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