Gnade und wird es mir möglich, mein Herz rein zu waschen, so werden,
wenn ich sterbe, meine Knochen nicht verfaulen.“
Die Inhaber der Vorsteherämter verlangten, dass man in Betracht
des in den Worten Wei-ngao's sich kundgebenden Übermuthes
dessen Sohn Siiin hinrichten lasse. Der Kaiser mochte dieses
nicht thun, sondern schickte Lai-ln nochmals als Gesandten. Dieser
kam nach Kien >) und beschenkte Wei-ngao mit dem folgenden
kaiserlichen Schreiben:
„Einst richtete der Heerführer von dem Geschlechte Tsai an
Han-sin ein Schreiben, 3 ), worin er sagte, dass derjenige, unter
dessen Stufen wir stehen, grossmiithig und menschlich ist. Mögen
die Lehensfürsten auch das Land verlassen und abfallen, wofern sie
später zurückkehren, verleiht er ihnen ohne Weiteres wieder ihre
Rangstufe und Benennungen. Weil die hei Ngao dienenden Angestellten
der Schrift die Ordnung der Gerechtigkeit verstehen, beschenke
ich ihn nochmals mit einem Schreiben. Bei gründlichen
Worten scheint keine Nachgiebigkeit zu sein. Bei abgekürzten Worten
werden die Sachen nicht entschieden. Wenn du jetzt die Hände
binden liessest dem jüngeren Bruder Siiin's und ihn wieder schicktest
zu der Vorhalle der Thorwarte, so würdest du Ehrenstufe und Einkünfte
ungeschmälert erhalten, du hättest ein überaus grosses Glück.
Über mich sind herabgekommen vierzig Jahre, und ich stehe in
WLaffen zehn Jahre. Mir sind zuwider schwimmende Worte, leere
Reden. Ich will nicht, dass keine Vergeltung sei.“
Wei-ngao erkannte, dass seine Falschheit dem Kaiser kein Geheimniss
sei. Er schickte sofort einen Gesandten an Kung-sün-scho,
dessen Diener er sich nannte. Im nächsten Jahre (31 n. Chr.) ernannte
ihn Kung-sün-scho zum Könige von Sö-ning 3 ) und entsandte
eine Kriegsmacht, die umherziehen und ihm zur Verstärkung dienen
sollte. Im Herbste desselben Jahres machte Wei-ngao mit dreissig-*)
Ein zu dem Fu-fung der Rechten gehörender District, der von dem Flusse Kien
seinen Namen erhielt. Die alte Feste dieses Districtes liegt im Süden des späteren
Districtes Kien-yuen (Quelle des Kien) in Lung-tscheu.
2 ) Der Heerführer von dem Geschlechte Tsai ist Tsai-wu. Han-sin ist Sin, König
von Han. Sin empörte sich und trat in das Land der Hiung-mfs über, von wo er
mit Han kämpfte. Desswegen richtete Tsai-wu an ihn ein Schreiben.
3 ) Sö-ning, die Ruhe der nördlichen Gegenden. Kung-siin-schö wollte durch diese
Ernennung an seinen nördlichen Grenzen die Ruhe herstellen.