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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 62. Band, (Jahrgang 1869)

Gnade  und  wird  es  mir  möglich,  mein  Herz  rein  zu  waschen,  so  werden, ­
  wenn  ich  sterbe,  meine  Knochen  nicht  verfaulen.“
Die  Inhaber  der  Vorsteherämter  verlangten,  dass  man  in  Betracht ­
  des  in  den  Worten  Wei-ngao's  sich  kundgebenden  Übermuthes
  dessen  Sohn  Siiin  hinrichten  lasse.  Der  Kaiser  mochte  dieses
nicht  thun,  sondern  schickte  Lai-ln  nochmals  als  Gesandten.  Dieser
kam  nach  Kien  >)  und  beschenkte  Wei-ngao  mit  dem  folgenden
kaiserlichen  Schreiben:
„Einst  richtete  der  Heerführer  von  dem  Geschlechte  Tsai  an
Han-sin  ein  Schreiben, 3 ),  worin  er  sagte,  dass  derjenige,  unter
dessen  Stufen  wir  stehen,  grossmiithig  und  menschlich  ist.  Mögen
die  Lehensfürsten  auch  das  Land  verlassen  und  abfallen,  wofern  sie
später  zurückkehren,  verleiht  er  ihnen  ohne  Weiteres  wieder  ihre
Rangstufe  und  Benennungen.  Weil  die  hei  Ngao  dienenden  Angestellten ­
  der  Schrift  die  Ordnung  der  Gerechtigkeit  verstehen,  beschenke ­
  ich  ihn  nochmals  mit  einem  Schreiben.  Bei  gründlichen
Worten  scheint  keine  Nachgiebigkeit  zu  sein.  Bei  abgekürzten  Worten ­
  werden  die  Sachen  nicht  entschieden.  Wenn  du  jetzt  die  Hände
binden  liessest  dem  jüngeren  Bruder  Siiin's  und  ihn  wieder  schicktest
zu  der  Vorhalle  der  Thorwarte,  so  würdest  du  Ehrenstufe  und  Einkünfte ­
  ungeschmälert  erhalten,  du  hättest  ein  überaus  grosses  Glück.
Über  mich  sind  herabgekommen  vierzig  Jahre,  und  ich  stehe  in
WLaffen  zehn  Jahre.  Mir  sind  zuwider  schwimmende  Worte,  leere
Reden.  Ich  will  nicht,  dass  keine  Vergeltung  sei.“
Wei-ngao  erkannte,  dass  seine  Falschheit  dem  Kaiser  kein  Geheimniss
  sei.  Er  schickte  sofort  einen  Gesandten  an  Kung-sün-scho,
dessen  Diener  er  sich  nannte.  Im  nächsten  Jahre  (31  n.  Chr.)  ernannte ­
  ihn  Kung-sün-scho  zum  Könige  von  Sö-ning 3 )  und  entsandte
eine  Kriegsmacht,  die  umherziehen  und  ihm  zur  Verstärkung  dienen
sollte.  Im  Herbste  desselben  Jahres  machte  Wei-ngao  mit  dreissig-*)

  Ein  zu  dem  Fu-fung  der  Rechten  gehörender  District,  der  von  dem  Flusse  Kien
seinen  Namen  erhielt.  Die  alte  Feste  dieses  Districtes  liegt  im  Süden  des  späteren
Districtes  Kien-yuen  (Quelle  des  Kien)  in  Lung-tscheu.
2 )  Der  Heerführer  von  dem  Geschlechte  Tsai  ist  Tsai-wu.  Han-sin  ist  Sin,  König
von  Han.  Sin  empörte  sich  und  trat  in  das  Land  der  Hiung-mfs  über,  von  wo  er
mit  Han  kämpfte.  Desswegen  richtete  Tsai-wu  an  ihn  ein  Schreiben.
3 )  Sö-ning,  die  Ruhe  der  nördlichen  Gegenden.  Kung-siin-schö  wollte  durch  diese
Ernennung  an  seinen  nördlichen  Grenzen  die  Ruhe  herstellen.
            
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