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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 61. Band, (Jahrgang 1869)

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entweder  Furcht  für  einen  Freund  oder  Furcht  für  sich  seihst  sein.
Zwischen  Folge  und  Bedingung  muss  nun  doch  nothwendiger  Weise
ein  vernünftiger  Zusammenhang  stattfinden.  Welcher  Zusammenhang
ist  aber  zwischen
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An  wen  ist  das  Verbot  gerichtet?  Doch  wohl  an  alle  Unterthanen!
  Ist  nun  nicht  diese  Ausdrucksweise  höchst  sonderbar  und
unmöglich:  „Wenn  A  oder  B,  oder  A  und  B  den  Mörder  kennt  und
aus  freundschaftlicher  Besorgniss  nicht  angeben  will,  so  darf  keiner
meiner  Unterthanen  ihn  aufnehmen  oder  anreden,  sondern  alle  müssen
ihn  von  ihren  Häusern  verstossen“?  Wie  sollen  denn  die  übrigen
Unterthanen  (mit  Ausnahme  des  wissenden  A  oder  der  wissenden  A
und  B)  das  Gebot  erfüllen,  wenn  sie  den  Mörder  nicht  kennen  ?  Man
müsste  annehmen,  Oidipus  habe  sagen  wollen:  „Wenn  irgend  welche
Bürger  den  Mörder  aus  Besorgniss  für  ihn  nicht  angeben  wollen,  so
mögen  sie  wenigstens  den  Verkehr  mit  ihm  aufgeben  und  zugleich
dafür  sorgen,  dass  auch  alle  übrigen  Unterthanen  den  Verkehr  mit
ihm  aufgeben.“  Können  wir  dies  zwischen  den  Zeilen  lesen?  Gewiss
nicht!  Und  wenn  die  den  Mörder  Kennenden  dafür  sorgen  sollten,
dass  die  Achtvollstreckung  eine  allgemeine  wäre,  so  könnten  sie  dies
nur  durch  Offenbarung  des  Mörders,  und  zwar  durch  eine  allgemeine
Offenbarung  erreichen,  die  auch  dem  Könige  nicht  unbekannt  bleiben
könnte.  Wie  kann,  fragen  wir  auch  hier,  Oidipus  in  einem  Athem  die
Voraussetzung  machen  ei  ö’  au  GioxnriGeGSe  und  dann  ein  Gebot  erlassen, ­
  bei  dem  er  solches  Benehmen  bei  den  Wissenden  voraussetzt,
durch  welches  der  Mörder  allgemein  bekannt  werden  müsste?
Sollen  wir  also,  um  diesen  Schwierigkeiten  zu  entgehen,  rivsc
und  nuvzag  blos  auf  die  Wissenden  einschränken?  Dies  scheint
Ribbeck  angenommen  zu  haben,  da  er  (Rh.  Mus.  XIII,  S.  129)
paraphrasirt:  „Schweigt  ihr  aber  dennoch  und  gelingt  es  nicht,  den
Mörder  durch  einfachen  Spruch  zu  entfernen,  so  soll  ihn  wenigstens
            
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