K v i p a I a
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könnte, als durch die Annahme, dass im V. 236 unter röv ävdpx
rovrov nicht der Mörder, sondern der Hehl er zu verstehen sei, so
wäre meiner Ansicht nach jede sonst noch so scharfsinnige und eifrige
Verteidigung der handschriftlichen Folge vergeblich; denn diese
Erklärung der Stelle ist ein viel gewagteres Mittel als die vonRibbeck
oder Bernhardy (Griech. Literaturgesch. II, 2, S. 326 der 2. Bearbeitung)
vorgeschlagene Transposition. Die einzig und allein mögliche,
bei vorurteilsfreier Betrachtung unbedingt einleuchtende Beziehung
der Worte röv ävopa rovrov auf den Mörder hat Ribbeck
unwiderleglich durgetan.
Meiner Meinung nach hängt die Entscheidung der Frage, ob
Umstellung oder Beibehaltung der überlieferten Folge, von der Beantwortung
der Vorfrage ab, fiir welche Zeit Oidipus die Vollstreckung
der 236—243 über den Mörder ausgesprochenen Acht in Aussicht
nimmt. Sollte es durchaus notwendig sein anzunehmen, dass
Oidipus eine schon jetzt stattfinden sollende Vollstreckung der Acht
im Sinne hat, dann ergeben sich allerdings solche Schwierigkeiten,
dass man die Rolle eines Verteidigers der Überlieferung nicht mit
Erfolg spielen könnte •). Für diesen Fall wäre Ribbeck’s scharfsinniger
Vorschlag ansprechend. Aber ist denn wirklich jene Notwendigkeit
vorhanden? Kann nicht
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auf die Zukunft bezogen werden, auf jene Zeit, wann der
Mörder doch endlich einmal bekannt würde? Kann nicht
folgender Gedankenzusammenhang aufgestellt werden: „Wer den
Mörder kennt, möge ihn angeben ! Fürchtet der Mörder sich
seihst anzugeben, so wisse er, dass ihn nichts anderes treffen
wird, als dass er unbehelligt das Land verlassen muss. Weiss
jemand von einem anderen, dass er der Mörder ist, so schweige
er nicht; ich werde ihm Dank wissen. Wenn ihr aber schweigen
werdet und weder der Mörder sich selbst angeben, noch auch ein
1 ) Inwiefern die Frage über die überlieferte Versfolge mit der Auffassung von
V. 236 ff. zusammenhängt, darüber vergleiche man Classen S. 14—15 die Worte
„Was sind nun die Gründe — des zuletzt gar nicht erwähnten Mörders“.