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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 61. Band, (Jahrgang 1869)

Beiträge  zur  Krilik  und  Erklärung  des  Sophokles  (König  Oidipns).  87
aber  uothwendig  ist  diese  Bedeutung  nielit  und  es  ist  diese  Bedeutung
auch  gar  nicht  die  ursprüngliche.  Vielmehr  bedeuteten  diese  Adjectiva
ursprünglich  überhaupt  „mit  etwas  versehen,  etwas  in  sich  oder  an
sich  habend“ 1 )-  Dass  gewöhnlich  der  Begriff  der  Fülle  in  solchen
Adjectiven  zu  finden  ist,  erklärt  sich  sehr  leicht.  Alle  Sprachen  neigen
dazu  hin,  das  „versehen  sein“  in  prägnantem  Sinne  „reichlich
versehen  sein“  aufzufassen.  Aber  durchaus  notliwendig  ist  dieser  Begriff ­
  des  Besitzes  einer  Menge  nicht.  Vgl.  z.  B.  folgende  Adjectiva:
iÖEig  (II.  tp  SSO),  leipiosis  (II.  v  830  17  132;  Od.  r,,  107),  6jj.'fa.Ao£ig
(acnzig  6\).<j>a\osaa«),  ovtxrösig  (törd)£!?),  y.spoug,  xpoxöug,  T£xvÖ£ig
[Sopli.  Traeh.  308  2 )j,  insbesondere  aber  rpoyösig  „radförmig,  rund
wie  ein  Rad“  (Kallim.  Del.  2(51),  das  für  ■/.■jy.Aosig  die  beste  Analogie
bietet.  Ferner  vergleiche  man  die  zwar  an  andere  Nominalstämme
sich  anlehnenden,  aber  nach  demselben  Princip  gebildeten  Adjectiva
adozjsjf,  fwrisig,  xtonrjeig  (mit  einem  Griff  oder  Heft  versehen,  z.  B.
fijaoj  II.  Tr,  322),  p.op’priug  (formosus).
Also  gegen  die  Annahme  der  Bedeutung  „kreisförmig“  bei  xnxlc-£ig
  wäre  nichts  einzuwenden.  Wohl  aber  kann  man  einen  begründeten
Zweifel  hegen,  ob  dies  Wort  in  dieser  Bedeutung  dem  Contexte
unserer  Stelle  angemessen  wäre.  Ich  stimme  ganz  Wunder  und  Diudorf
  bei,  dass  hier  vielmehr  von  dem  berühmten  Spovog  auf  der
runden  ayopcc  die  Rede  sein  soll,  wie  schon  Eustathios  p.  1138,  2
geurtheilt  hat.  Aber  die  Überlieferung  lässt  sich  in  diesem  Sinne
nicht  auffassen,  wenn  man  nicht  mit  der  Annahme  der  Enallage  Miss-*)

  So  ist  Skr.  p  ad  van  (Stamm  padvant)  =  mit  Fussen  versehen;  dies  Wort
würde,  wenn  es  im  Griechischen  vorkäme,  Ttodoeig  lauten.  Skr.  arkavant  ist  =
den  Blitzstrahl  haltend.
*)  o)  duaraXatva,  zig  tzoz*  et  veavtftcov;
avavfyos  yj  rsxvoOaffa;
Nauek  schreibt  rexoOffa  und  bemerkt:  „rsxoöffa,  bereits  Mutter  geworden, ­
  nicht,  wie  gewöhnlich  gegen  (?)  die  handschriftliche  Autorität  gelesen
wird,  rexvo0<7(7a,  was  nur  (?)  kinderreich  bedeuten  könnte,  wenn  es  überhaupt
ein  Wort  wäre.“  Aber  was  die  handschriftliche  Autorität  betrifft,  so  lautet  der
Bericht  „rexouaa,  v  a  m.  pr.“.  Also  ist  eigentlich  rexvci0<7a  überliefert  (der
Schreiber  corrigirte  seinen  Fehler),  was  natürlich  nicht  von  rsxvoöv  kommt,  sondern ­
  rexvoOaora  zu  lauten  hat.  Auch  das  Scholion  zeugt  dafür:  avav&poj  vj
rexvoOua  (recte  rsxvoOffffa)  ;  Tsxva  l^ou^a,  ojrsp  KaXXi'paxo?  rcatfioOffa
(recte  TraifoOtJffa).
            
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