Beiträge zur Krilik und Erklärung des Sophokles (König Oidipns). 87
aber uothwendig ist diese Bedeutung nielit und es ist diese Bedeutung
auch gar nicht die ursprüngliche. Vielmehr bedeuteten diese Adjectiva
ursprünglich überhaupt „mit etwas versehen, etwas in sich oder an
sich habend“ 1 )- Dass gewöhnlich der Begriff der Fülle in solchen
Adjectiven zu finden ist, erklärt sich sehr leicht. Alle Sprachen neigen
dazu hin, das „versehen sein“ in prägnantem Sinne „reichlich
versehen sein“ aufzufassen. Aber durchaus notliwendig ist dieser Begriff
des Besitzes einer Menge nicht. Vgl. z. B. folgende Adjectiva:
iÖEig (II. tp SSO), leipiosis (II. v 830 17 132; Od. r,, 107), 6jj.'fa.Ao£ig
(acnzig 6\).<j>a\osaa«), ovtxrösig (törd)£!?), y.spoug, xpoxöug, T£xvÖ£ig
[Sopli. Traeh. 308 2 )j, insbesondere aber rpoyösig „radförmig, rund
wie ein Rad“ (Kallim. Del. 2(51), das für ■/.■jy.Aosig die beste Analogie
bietet. Ferner vergleiche man die zwar an andere Nominalstämme
sich anlehnenden, aber nach demselben Princip gebildeten Adjectiva
adozjsjf, fwrisig, xtonrjeig (mit einem Griff oder Heft versehen, z. B.
fijaoj II. Tr, 322), p.op’priug (formosus).
Also gegen die Annahme der Bedeutung „kreisförmig“ bei xnxlc-£ig
wäre nichts einzuwenden. Wohl aber kann man einen begründeten
Zweifel hegen, ob dies Wort in dieser Bedeutung dem Contexte
unserer Stelle angemessen wäre. Ich stimme ganz Wunder und Diudorf
bei, dass hier vielmehr von dem berühmten Spovog auf der
runden ayopcc die Rede sein soll, wie schon Eustathios p. 1138, 2
geurtheilt hat. Aber die Überlieferung lässt sich in diesem Sinne
nicht auffassen, wenn man nicht mit der Annahme der Enallage Miss-*)
So ist Skr. p ad van (Stamm padvant) = mit Fussen versehen; dies Wort
würde, wenn es im Griechischen vorkäme, Ttodoeig lauten. Skr. arkavant ist =
den Blitzstrahl haltend.
*) o) duaraXatva, zig tzoz* et veavtftcov;
avavfyos yj rsxvoOaffa;
Nauek schreibt rexoOffa und bemerkt: „rsxoöffa, bereits Mutter geworden,
nicht, wie gewöhnlich gegen (?) die handschriftliche Autorität gelesen
wird, rexvo0<7(7a, was nur (?) kinderreich bedeuten könnte, wenn es überhaupt
ein Wort wäre.“ Aber was die handschriftliche Autorität betrifft, so lautet der
Bericht „rexouaa, v a m. pr.“. Also ist eigentlich rexvci0<7a überliefert (der
Schreiber corrigirte seinen Fehler), was natürlich nicht von rsxvoöv kommt, sondern
rexvoOaora zu lauten hat. Auch das Scholion zeugt dafür: avav&poj vj
rexvoOua (recte rsxvoOffffa) ; Tsxva l^ou^a, ojrsp KaXXi'paxo? rcatfioOffa
(recte TraifoOtJffa).