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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 61. Band, (Jahrgang 1869)

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V  a  h  1  e  n

selbst,  dass  sie  vor  der  Eroberung  Neapels  1442  ausgearbeitet
sind,  indem  er  Antidotum  in  Poggium  IV  342  schreibt:  mentiris,
quoniam  et  antequam  rex  expugnaret  Neapolim  ,  fuit  mihi  ille
inimicissimus  (Panormita)  iam  inde  a  Caieta,  tametsi  male  adhuc
sarta  gratia  erat  Papiae  rescissa  et  post  ortas  inter  nos  simultates
ego  de  novi  testamenti  collatione  composui,  ut  ipse  illiul  opus  a  me
ostensum  sibi  non  queat  dicere.
Hiernach  also  dürfen  wir  annehmen,  dass  der  Dialog  de  professione, ­
  der  übrigens  weder  in  den  Recrimmationes  in  Facium  noch
im  Antidotum  in  Poggium  erwähnt  wird 1 “),  zu  den  vor  1442  verfassten ­
  Schriften  gehört,  wonach  er  dem  andern,  ihm  auch  in  deräussern
Anlage  verwandten  de  libertate  arbitrii  in  der  Zeit  näher  gerückt  wird.
Fassen  wir  das  Ergebniss  dieser  Untersuchung  zusammen,  so
erhalten  wir  folgende  chronologische  Reihe:  1431  de  voluptate  in
erster  Bearbeitung;  1433  in  zweiter  Bearbeitung  unter  dem  Titel
de  vero  bono;  in  dem  Intervall  von  1433—1438  die  dialecticae
quaestiones;  1438  das  III.  Buch  der  Elegahtiae  und  in  den  Jahren
kurz  vorher  und  nachher  die  übrigen  Bücher  dieses  Werkes;  1438—
1442  die  Dialoge  de  libertate  arbitrii  und  de  professione  religiosorum.
  In  diesen  Ansätzen,  welche  der  Aufreihung  in  der  Apologia
entsprechen,  wird  kaum  ein  Irrthum  sein,  wenn  auch  in  dem  einen
und  andern  Fall  sich  die  Grenzen  vielleicht  noch  enger  ziehen  Hessen.
Dies  wäre  für  den  Dialog  de  professione  möglich  geworden,
wenn  es  hätte  gelingen  wollen,  die  im  Eingang  desselben  erwähnte
Entdeckung  einer  Verschwörung,  welche  auf  den  4.  Januar  gefallen,
an  ein  bestimmtes  Jahr  zu  heften.  An  Complotten  und  Verschwörungen ­
  hat  es  in  jenen  Jahren  eines  langwierigen  Prätendentenkriegs, ­
  in  welchem  das  Königreich  Neapel  in  die  Angiovinische,
Dyrrliachinische,  Aragonesische  Partei  gespalten  war,  zwischen
welchen  noch  eine  pontificische  ihr  Spiel  trieb,  überall  nicht  gefehlt,
doch  was  ich  dieser  Art  erwähnt  finde,  ist  entweder  undatirt  oder
fügt  sich  sonst  nicht  zu  Valla’s  Angaben:  vielleicht  gelingt  es

annis  ex  quo  composui,  et  apud  Marcellum  sunt  Caput  ferreum  iam  inde
a  discessu  doctissimi  viri  .  .  S.  Petri  Cardinalis  (Nie.  Cusanus).
■< 8 )  Man  darf  daraus  mit  Sicherheit  schliessen,  dass  sie  weder  Facius  noch
Poggius  bekannt  war:  viele  Abschriften  derselben  werden  also  wohl  überhaupt ­
  nicht  verbreitet  gewesen  sein,  wie  denn  auch  heute  nur  eine  einzige
sich  erhalten  hat.
            
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