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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 61. Band, (Jahrgang 1869)

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V  a  h  1  e  n

nicht  nur  nichts  auf  juristische  Beschäftigung  hinweist,  sondern
der  zweite  der  angeführten  Briefe  desselben  an  den  lurisconsultus
Franciscus  Pelatus  eher  das  Gegentheil  vermuthen  lässt,  und
Facius,  der  zwar  den  Accoltus  unter  den  Iurisconsulti  nicht  besonders ­
  aufführt,  in  dem  Artikel  über  Franciscus  Aretinus  von  juristischer
Thätigkeit  schweigt  und  nur  die  wenigen  Übersetzungen  namhaft
macht.  Entscheidend  aber  für  die  Trennung  beider  Personen  ist
allein  die  aus  den  Widmungen  der  Übersetzungen  gezogene  Thatsaclie,
  dass  der  Verfasser  derselben  während  Pius'  Regierung  in
Rom  ansässig  war  und  ein  curiales  Amt  bekleidete.  Denn  damit  ist
schlechterdings  unvereinbar,  was  über  Franciscus  Accoltus’  Lebensstellung ­
  und  Aufenthalt  aus  verlässlichen  Quellen  geschöpft  wird.
Von  1450  an,  um  nicht  weiter  zurückzugreifen,  lässt  sich  in  fast
lückenloser  Reihe  bis  über  die  siebziger  Jahre  hinaus  durch  unzweifelhafte ­
  Zeugnisse  und  Urkunden  erweisen,  welche  Stellungen
Aceolti  eingenommen  und  an  welchen  Universitäten  insbesondere  er
als  Lehrer  der  Jurisprudenz  thätig  gewesen.  Wir  wissen  durch  die
von  Tiraboschi  a.  a.  0.  536  fg.  angeführten  Actenstücke,  dass  Accolti
schon  etliche  Jahre  vor  1450  den  Lehrstuhl  des  Civilrechtes  in
Ferrara  einnahm,  den  er  um  1455  mit  dem  in  Siena  vertauschte,
aber  durch  ein  Decret  des  Herzogs  Borso  von  Este  vom  19.  August
1456  zurückberufen,  seit  dem  October  1457  abermals  in  Ferrara
lehrte,  wo  er  durch  des  Herzogs  Decret  vom  5.  Juni  1459  für  zwei
folgende  Jahre  in  seinem  Amte  bestätigt  worden:  und  einer  (von
Tiraboschi  nicht  benutzten)  Stelle  aus  Ludovicus  Carbo’s  Leichenrede
auf  Guarinus  (Rosmini  Vita  di  Guarino  II  p.  199)  entnehmen  wir,
dass  derselbe  (Carbo  nennt  ihn  Franciscus  Aretinus  fons  litterarum)
Ende  1460  bei  der  Leichenfeier  für  Guarinus  in  Ferrara  noch  anwesend
war.  Seit  er  Ferrara  abermals  verlassen,  war  Accolti  nach  dem  von
Mansi  (zu  Fabricius  Bibi.  med.  et  inf.  latin.  II  193.  VI  344)  hervorgezogenen
  Zeugniss  des  Canonisten  Felinus  Sandeus,  eines  wenig
jüngern  Zeitgenossen,  der  selbst  eine  Zeit  lang  in  Ferrara  gelehrt  hat,
durch  fünf  Jahre  (von  1461—1466)  sub  imperio  ducis  Mediolani
secretomm  ipsius  fidelissimum  scrinium,  welche  Stellung  er  nach
dem  Tode  des  Herzogs  Sforza  aufgab,  um  einem  Rufe  nach  Siena
zu  folgen,  wohin  er  am  3.  October  1466  übersiedelte.  Von  Mailand ­
  aus  war  es,  dass  er  gegen  Ende  1464  als  Gesandter  seines
Herzogs  zur  Beglückwünschung  Pabst  Paul  II  nach  Rom  ging.  Mehr
            
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