376
V a h 1 e n
Übertragung des ersten von Carolus Aretinus Bezug nimmt, und
falls dieser erste Versuch seines Gönners Beifall finde, auch die
übrigen Bücher der Iliade, deren Inhalt er poetisch ausführt, nachfolgen
zu lassen verspricht; doch hat er nur noch (nach 1472 mit
einer neuen Widmung an Laurentius Medices) das dritte, dann das
vierte und fünfte vollendet.
Ob sich von Aretinus’ Übersetzung noch etwas erhalten, ist mir
unbekannt, und auch das ist nicht auszumachen, ob seine Arbeit mit
dem ersten Buch abgebrochen. Hieronymus Aliottus scheint mehr
als eins gekannt zu haben, wenn er in dem Dialog Gratulatio ad
Pium II pro felici ac secundo ex Mantuana peregrinatione reditu
«. D. 1460 (Aliotti Epistolae et opuscula. Arretii 1769 vol. II
p. 330) mit unbestimmtem Ausdruck schreibt: Carolus Aretinus, vir
sui temporis inter onuies doctissimus, latinum facere Homerum est
adgressus et praegustationem quandam ingenii sui nobis reliquit,
l ihr um unum aut item alt er um transferens elegant i quidem
carmine ac terso, immaturo interea funere raptus et intcrceptus est..
Und Vespasiano redet geradezu von zwei Büchern, welche Carolus
Aretinus übersetzt habe (Spicil. Rom. I 573): tradusse la batracomiomacliia
di Omero in versi, che fu assai stimata; tradusse
dua libri deII’ Iliade. Die Möglichkeit ist nicht zu bestreiten,
dass, wenn auch Politianus nur ein Buch kannte, ausser jenem dem
Pabst Nicolaus als Probe eingesendeten ersten bei Aretinus" Tode
noch ein zweites vielleicht unvollendetes sich vorgefunden habe 19 ).
I0 ) Gleichzeitig mit Politian, wenn nicht schon früher, hatte zu Rom Proben
einer metrischen Iliasübersetzung geliefert der in jungen Jahren vor 1473
gestorbene Nicolaus de Valle, der unter dem Pontificat Pius’ II (1438 —
1464) in verschiedenen Productionen sich versucht und damit um des
Pabstes Gunst sich beworben hatte. Voigt hat ihn in dem Abschnitt über
Pius II als Maecen der Humanisten (Enea Silvio III Kap. 10) der Erwähnung
nicht werth gehalten; aber Marini Archiatri po/ilificii I 122 A.
gibt Nachrichten über ihn und führt aus einer Vaticanischen Handschrift
eine Elegie desselben intorno alla promozione de' CardinaU fatta da Pio II
und eine Invective in Distichen gegen einen die griechische Litteratur
herunterziehenden Paedagogus nebst einer Widmung an Franciscus
Patricias an (über letzteres vgl. Labheus nova bibliothecci p. 67). Ein umfangreiches
Gedicht Roma Constantinopoli Sorori Carissirnae Rcsponsum per
Nicolaum de Valle ist in einem der Rossettischen Sammlung in Triest
angehörigen Codex (n. XII): Epaeneticorum ad Pium II libri quattuor