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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 61. Band, (Jahrgang 1869)

Laurentii  Y'allae  opuscula  tri«.  II.

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lediglich  um  eine  private,  an  zwei  Freunde  gerichtete  Auskunft
über  die  Autorschaft  der  Herodotübersetzung  handelte,  zumal  diese
nicht  sowohl  für  sich  Belehrung  als  ein  auch  der  Nachwelt
bleibendes  Zeugniss  über  den  Urheber  jener  Übersetzung  von
Pontanus  begehrten?  Ich  denke,  jene  Worte  und  der  ganze  Zusammenhang ­
  des  Briefes  linden  ihre  befriedigende  Erklärung  nur
unter  der  Voraussetzung,  dass  bei  einer  auf  Veranlassung  jener
beiden  Freunde  zu  veranstaltenden  Herausgabe  der  ohne  Aufschrift
und  Widmung  in  der  Bibliothek  des  Königs  sich  befindenden  Herodotübersetzung ­
  Valla's  dieser  Brief  Pontanus'  an  Stelle  einer  prnefcitio
vnrgesetzt  werden  sollte.  Dann  wird  die  nähere  Mittheilung  über  die
Übersetzung  und  deren  Verfasser  sowie  das  Urtheil  über  den  Schriftsteller ­
  selbst  begreiflich,  und  der  Brief,  als  Vorrede  genommen,
ist  ganz  in  der  Art  wie  andere  Gelehrte,  z.  B.  Valla  selbst  beim
Thucydides,  Vorreden  zu  ihren  Übersetzungen  verfassten,  und  tritt
in  noch  einleuchtendere  Parallele  zu  dem  Briefe,  mit  welchem
lacobus  Curlus  die  von  seinem  Freunde  Facius  hiuterlassene  Arrianübersetzung
  dem  Fenolleda  zueignete.
Was  nun  Pontanus  über  Valla's  Herodot  mittheill,  stimmt  nicht
genau  mit  Facius'  Angaben:  dennoch  konnten  beide  nach  den  Verhältnissen ­
  der  Zeit  und  ihren  Beziehungen  zu  Valla  und  dem  neapolitanischen ­
  Hofe  über  den  wahren  Sachverhalt  wohl  unterrichtet
sein,  und  wir  sind  berechtigt,  ihre  Nachrichten,  wenn  möglich,  zu
vereinigen.  Dies  aber  gelingt  unschwer.
Wir  nehmen  an,  dass  Valla  die  Herodotübersetzung  auf  den
Wunsch  des  Pabstes  Nicolaus  unternommen.  Da  sie  aber  beim  Tode
des  Pabstes  unvollendet  war,  wendete  er  sich,  um  die  umfangreiche
Arbeit  nicht  ohne  die  Aussicht  auf  einen  entsprechenden  Lohn  zu
Ende  zu  führen,  an  seinen  einstmaligen  Gönner,  König  Alphous,
mit  dem  er  auch  nach  seiner  Übersiedelung  nach  Rom  in  steter  Vervor

  seiner  Gelehrsamkeit  und  seinem  Scharfsinn,  doch  im  Grunde  an  den
in  der  neapolitanischen  Akademie,  an  deren  Spitze  erst  Panorinita,  später
Pontanus  selbst  stand,  sich  forterbenden  Traditionen  über  Valla  haftete,
zu  denen  auch  die  von  Valla  Antidot.  IV  p.  340  abgewiesenen  spicula  in
Christum  gehörten.  So  mochte  es  dem  Pontanus  denn  auch  ein  nicht  ganz
willkommener  Auftrag  sein,  durch  jenen  Brief  sich  zum  Herausgeber  des
von  Valla  hinterlassenen  Herodotus  zu  machen,  dem  er  sieh  jedoch  den
Freunden  zu  Liebe  nicht  entzog.
            
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