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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 61. Band, (Jahrgang 1869)

Zur  Geschichte  des  Zwischenreiches  von  Han.  301
beisammen  und  hatten  einander  bald  den  Rücken  bald  das  Angesicht
zugekehrt.
Yang-  yin,  der  grosse  Vorsteher  des  Ackerbaues,  legte  die  Hand
an  das  Schwert  und  rief  die  schmähenden  Worte:  Ihr  seid  lauter  alte
Taglöhner!  An  dem  heutigen  Tage  begründet  man  die  Gebräuche
zwischen  Landesherrn  und  Diener,  und  ihr  seid  im  Gegentheil  durch
einander  gemengt  und  unordentlich.  Wenn  Kinder  spielen,  haben  sie
nicht  einmal  ein  solches  Betragen.  Man  sollte  sich  euch  entgegenstellen ­
  und  euch  tödten!  —  Es  entstand  Wortwechsel  und  Kampf.
Die  Krieger  stiegen  hierauf  einzeln  in  den  Palast,  hieben  die  Schranken ­
  durch  und  rauhten  heim  Hereindringen  den  Wein  und  das
Fleisch.  Sie  tödteten  und  verwundeten  sich  gegenseitig.
Als  5ppJ|^  g|f  Tschü-ho-tsehi,  der  Beruhiger  der  Leibwache,
dieses  hörte,  führte  er  die  Kriegsmacht  vorwärts,  drang  ein  und
tödtete,  indem  er  sich  entgegenstellte,  über  hundert  Menschen,  worauf
Ruhe  eintrat.  Lieu-fen-tse  ward  von  Bangen  und  Furcht  befallen.  Er
jammerte  und  weinte  Tag  und  Nacht,  legte  sich  allein  mit  den  Leibwächtern ­
  des  gelben  Thores  der  Mitte  nieder  und  stand  mit  ihnen  zugleich ­
  auf.  Er  konnte  bloss  die  Warten  und  die  Söller  besteigen
und  erfuhr  von  den  Aussendingen  nichts.
Um  diese  Zeit  befanden  sich  in  den  Vorhöfen  der  Seitenflügel
noch  mehrere  hundert  bis  tausend  Palastmädchen.  Dieselben  waren
nach  der  Niederlage  Keng-schi’s  innerhalb  der  Thore  der  Vorhallen
eingeschlossen.  Sie  gruben  die  Wurzeln  des  in  den  Vorhöfen  wachsenden ­
  Schilfrohres  aus,  fingen  die  Fische  der  Teiche  und  verzehrten
dieses  als  Speise.  Diejenigen,  welche  starben,  wurden  von  den  Überlebenden ­
  vergraben.  In  dem  Palaste  befand  sich  ein  alter  Tempel.
Ein  Tonkünstler  aus  Kan-tsiuen  t)  schlug  noch  immer  in  ihrer  Gesellschaft ­
  die  Trommel,  sang  und  tanzte.  Seine  Kleidung  war  dünn
und  durchsichtig.  Er  besuchte  Lieu-fen-tse,  schlug  das  Haupt  gegen
den  Boden  und  erzählte  von  der  Hungersnoth.  Fen-tse  gab  den  Leibwächtern ­
  des  gelben  Thores  der  Mitte  den  Auftrag,  ihnen  Reis  zu  verabreichen. ­
  Man  brachte  dessen  einige  Nössel.  Als  später  Fen-tse  sich
entfernte,  starben  sie  Hungers  und  kamen  nicht  mehr  zum  Vorschein.

1 )  In  dem  Palaste  von  Kan-tsiuen  befand  sich  eine  Opferstätte.  Die  Benennung-  Tonkiinstler
  hat  den  Sinn,  dass  dieser  Mann  die  Musik  bei  dem  Opfer  für  den  Himmel
zu  besorgen  hatte.
            
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