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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 61. Band, (Jahrgang 1869)

Zur  Geschichte  des  Zwischenreiches  von  Han.  283
der  grosse  Vorsteher  der  Pferde  zur  Rechten,  und  beide  waren  zugleich ­
  mit  den  inneren  Angelegenheiten  betraut.
Keng-schi  nahm  eine  Tochter  Tschao-meng's  zu  sich,  die  er
zu  seiner  Gemahlin  machte.  Er  schenkte  ihr  seine  Gunst  und  übertrug ­
  hierauf  die  Geschäfte  der  Lenkung  an  Tschao-meng.  Er  selbst
trank  Tag  und  Nacht  in  der  Gesellschaft  von  Weibern  und  hielt  vertrauliche ­
  Gespräche  in  der  Vorhalle  der  Rückseite.  Wenn  die  Minister ­
  mit  ihm  über  eine  Angelegenheit  sprechen  wollten,  war  er
betrunken  und  nicht  fähig,  sie  zu  empfangen.  Zu  Zeiten,  wenn  er
nicht  ausweichen  konnte,  hiess  er  einem  in  Inneren  Aufwartenden  in
einem  Zelte  sitzen  und  mit  ihnen  sprechen.  Die  Anführer  erkannten
dann,  dass  dies  nicht  die  Stimme  Keng-schi’s  sei.  Sie  wurden  unwillig ­
  und  sagten:  Ob  Zustandekommen  oder  Fehlschlagen  sein  wird,
kann  man  noch  nicht  wissen,  und  man  lässt  hastig  sich  selbst  in  einem
solchen  Grade  gehen.
Die  Gemalin  von  dem  Geschiechte  Hän  war  für  den  Wein  überaus ­
  eingenommen.  So  oft  sie  bei  dem  Trinkgelage  aufwartete  und
einen  gewöhnlichen  Aufwartenden  <)  erblickte,  der  einen  Gegenstand
meldete,  gerieth  sie  in  Zorn  und  rief:  Der  Kaiser  trinkt  eben  in
unserer  Gesellschaft.  Musst  du  gerade  diese  Zeit  wählen,  um  mit
einem  Gegenstände  zu  kommen?  —  Hierbei  erhob  sie  sich  und  zerschlug ­
  die  Schriften  und  Gutachten.
Tschao-meng  nahm  alle  Macht  für  sich  in  Anspruch  und
sorgte  für  sein  eigenes  Glück.  Wenn  unter  den  Leibwächtern  und
Angestellten  einige  waren,  die  von  der  Zügellosigkeit  Tschaomeng’s
  sprachen,  gerieth  Keng-schi  in  Zorn,  zog  das  Schwert
und  hieb  auf  sie  ein.  Seitdem  hatte  Niemand  mehr  den  Muth,  zu
reden.  Wenn.  Tschao-meng  gegen  einen  im  Inneren  Aufwartenden
einen  geheimen  Groll  hegte,  liess  er  ihn  wegführen,  den  Gerichten
übergeben  und  enthaupten.  Wenn  ihn  Keng-schi  auch  retten  wollte
und  mit  Ritten  dazwischen  trat,  wurde  es  nicht  beachtet.  Um  diese
Zeit  geboten  Li-yi  undTschü-wei  eigenmächtig  in  Schan-tung.  Wangkhuang
  und  Tschang-ngang  bedrückten  das  Land  der  drei  Stützen.
Diejenigen,  die  Ämter  und  Rangstufen  erhielten,  waren  kleine
Kaufleute  und  Burschen.  Einige  waren  Speisemeister  und  Köche.

Ein  gewöhnlicher  Aufwartender  (tschang-sse)  war  ein  besonderer  Angestellter
an  dem  Hofe  von  Han.
            
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