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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 61. Band, (Jahrgang 1869)

Zur  Geschichte  des  Zwischenreiches  von  Han.  28  1
gelben  Thore  der  Mitte  zugestellten  Obrigkeiten  und  hiessen  sie  ihm
in  der  neuen  Hauptstadt  entgegenziehen.
Im  zweiten  Monate  des  zweiten  Jahres  seiner  Einsetzung  (24  u.
Chr.)  zog  Keng-schi  att  Lo-yang  nach  Westen  *).  Als  er  sich  auf
den  Weg  gemacht  hatte,  führte  Li-sung  den  Wagen.  Die  Pferde
wurden  scheu,  entliefen  und  stiessen  gegen  das  mit  eisernen  Säulen ­
  versehene  Thor  des  nördlichen  Palastes,  Die  drei  Pferde  blieben ­
  todt 3 ).
Zur  Zeit  als  Wang-mang  zu  Grunde  ging,  war  bloss  der
Palast  Wi-yang  verbrannt  worden,  die  übrigen  Paläste  und  öffentlichen
  Gebäude  blieben  sämmtlich  unversehrt.  Mehrere  tausend  Palastmädchen ­
  standen  reihenweise  in  den  Vorhallen  der  Rückseite.
Die  Glocken,  Trommeln,  die  Vorhänge  und  Zelte,  die  Sänften  und
Handwagen,  die  Geräthschaften  und  Kleidungsstücke,  die  grossen
Vorrathskammern,  die  Rüstkammern  des  Krieges,  die  Versammlungshäuser ­
  der  Obrigkeiten,  die  Märkte  und  Strassen  waren  nicht  anders
als  sie  früher  gewesen.  Keng-schi  bewohnte  nach  seiner  Ankunft
den  Palast  Tschang-Iö  und  stieg  zu  der  Halle  der  Vorderseite  empor. ­
  Die  Leibwächter  und  Angestellten  standen  nach  Reihen  geordnet ­
  in  der  Vorhalle.  Keng-schi  schämte  sich  und  zeigte  veränderte
Gesichtszüge.  Er  senkte  das  Haupt,  zerzupfte  den  Teppich,  und
getraute  sich  nicht  sie  anzublicken.  Die  Anführer,  welche  zu  spät
kamen,  fragte  Keng-schi,  wie  viele  Gefangene  sie  gemacht  und  wieviel ­
  sie  gerauht  hätten.  Die  Leute  seiner  Umgebung  und  die  aufwartenden ­
  Obrigkeiten  waren  alte  Angestellte  des  Palastes  und  des
unzugänglichen  Inneren.  Ein  jeder  erschrack  und  der  Eine  blickte
den'Anderen  an.
Li-sung  und  (|}'j  Tschao-meng,  ein  Eingeborner  von  Keyang,
  setzten  vor  Keng-schi  in  einer  Rede  auseinander,  dass  man
sämmtliche  verdienstvolle  Diener  zu  Königen  ernennen  solle.  Dagegen
machte  Tsclüi-wei  Einwendungen  und  meinte,  nach  den  Bestimmungen ­
  Kao-tsu’s  (des  Gründers  des  Hauses  Han)  dürfe  derjenige, ­
  der  nicht  zu  dem  Geschlechte  Lieu  gehöre,  nicht  König  wer-*)

  Nach  Tschang-ngan,  dein  Wohnsitze  der  früheren  Han.
2 )  Das  Buch  der  fortgesetzten  Han  sagt:  Es  geschah  ein  Unglück  durch  Pferde.  Um
diese  Zeit  hatte  Keng-schi  den  Weg  des  Gesetzes  verfehlt,  und  es  war  ein  Zeichen,
            
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