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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 61. Band, (Jahrgang 1869)

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K  v  1  c  a  I  a

könnte.  —  Und  wie  nehmen  sieh  die  Worte  owv  ian  rd  tpSovefv  in
Kreon’s  Munde  aus?  Schmidt  sagt  zwar:  „Gibt  es  denn  einen  gesundem ­
  und  gegenwärtig  natürlicheren  Gedanken,  als  dass  Kreon,
den  Oidipus  bezichtigt,  ihm  aus  Neid  nach  Thron  und  Leben  zu
trachten,  diesem  zu  bedenken  gibt,  dass,  wenn  er  ihn  (den  Kreon)
auf  blossen  Argwohn  hin  'incognita  caussa’  tödte  oder  verbanne,  er
selbst  den  ersten  Beweis  liefere,  wie  mächtig  der  Neid  in  ihm  wirke,
da  er  ihm  nicht  einmal  den  bescheidenen  Antheil  von  Macht,  nicht
einmal  den  Schein  der  Macht  gönne.  Und  lässt  sich  dies  klarer  und
schneidender  ausdrücken,  als  durch  die  Worte;  <L  rav,  npoSsi^sig,
oföv  iari  t6  fSovsTv?“  Aber  wo  haben  wir  irgend  einen  Anhaltspunkt
dafür,  dass  Oidipus  in  seinem  Benehmen  von  dem  ySovstv  sich  leiten
liess,  dass  er  dem  Kreon  nicht  einmal  einen  bescheidenen  Antheil
von  Macht  gönnte?  oder  wo  haben  wir  wenigstens  irgend  einen  Anhaltspunkt ­
  dafür,  dass  Kreon  das  Benehmen  des  Oidipus  so  gedeutet
hätte  oder  hätte  deuten  können?  Vergeblich  sucht  man  für  diese  Annahme ­
  etwas,  was  einem  Grunde  auch  nur  ähnlich  sehen  würde.
Kreon  wusste,  dass  Oidipus  einen  furchtbaren  Verdacht  gegen  ihn
hegte  und  dass  er  in  der  Überzeugung,  Kreon  sei  ein  heimtückischer
Feind,  ihn  bestrafen  zu  müssen  glaubte;  von  einem  (p-3-ovefv  ist
gar  keine  Rede  und  ein  solcher  Vorwurf  wäre  nach  582,  586,  588,
590  geradezu  lächerlich;  denn  wenn  auch  Oidipus  seine  Drohung
verwirklicht  und  dem  Kreon  den  „bescheidenen“  (?  cf.  582,  586,
588,  590)  Antheil  von  Macht  geraubt  hätte,  so  hätte  dieser  doch  nur
über  die  Verblendung  des  Oidipus,  nicht  aber  über  ein  y-3-ovstv
sich  beklagen  können.—Endlich,  um  nur  noch  eines  gegen  die  Conjecturen,
  die  für  Schmidt  nothwendig  geworden  sind,  hervorzuheben,
so  ist  co  räv  für  orav  unmöglich.  Allerdings  wird  <L  räv  auch  bei
einem  Vorwurfe  gebraucht:  aber  auch  in  diesem  Falle  hat  diese
Formel  einen  familiären  Ton  (etwa  wie  das  epische  cL  ttsttov),  den
Kreon  gegenüber  dem  erbosten  Könige  unmöglich  anschlagen
konnte.
Ich  hin  fest  überzeugt,  dass  der  V.  625  der  Überlieferung  (in
welchem  gar  nichts  zu  ändern  ist)  nur  für  Kreon  passt.  Nachdem  er
sich  abgemüht  hat,  dem  Könige  die  Grundlosigkeit  seines  Verdachtes
ausführlich  zu  beweisen,  hört  er  jetzt  die  harten  Worte  der  höchsten
Erbitterung  fjy.tar<x  •  Svrjmecv,  oü  (frjyelv  as  (3o6Xop.«i,  und  jetzt  sieht
er  klar  ein,  dass  seine  Hoffnung,  dem  Oidipus  seinen  Verdacht  ausa


            
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