Beiträge zur Kritik und Erklärung des Sophokles (König Uidipus). 1 3T
Und doch sagt Nauck im Anhang zur 4. Aufl.: „Dieser Vers
würde, wie mir scheint, besser fehlen“ und im Anh. zur S. Aufl.:
„Dieser Vers ist entweder unecht oder in der zweiten Hälfte fehlerhaft.“
(!) Nauek’s Bedenken kann sich wol nur auf den adjectivischen
Gebrauch von rtjpccvvog beziehen, nicht auf opäv, ebenso wenig
auf die Verbindung des opäv mit dem Objectsaccusativ; denn äpäv
bezeichnet sehr gut das Herrschen de facto im Gegensätze zu dem
Titel. Das Bedenken gegen den adjectivischen Gebrauch von rOpavvog
ist ja aber durch Ant. 1169 r(jpocvvov ayfip.cc erledigt; bekannt
ist auch Eur. Med. 1122 >5 r-jpccvvog xöpvj, Aisch. Prom. 263 zvpccvva.
axrjTCTpoc und dgl. Brunck hat ferner aO 7äp yipovza ßo-jleOetg (Soph.
fr. 862 Dind.) angeführt. Vgl. auch den sonstigen adjectivischen
Gebrauch von 7ipoiv, vsccvcccg, TxupSivog, ooöXog (im Latein servus)
11. dgl. Es ist z. B. nicht zu bezweifeln, dass gerade so, wie esTrach.
301 heisst öoü'aov Xayovacv ßiov, auch möglich war, öoüacc opäv,
cppovecv u. s. w. opp. iliöSepov tppoveiv.
V. 690 ff.
vvv p.iv 7dp ix aoO iravz’’ ävcv tpößoo cpipot •
ei 6’ aözog rjpyov, xoXXä xäv äxcov iopoiv.
nötig Sriz’ ip.oi zvpccvvig ftdiotv iyj.iv
äpyfig äXÖKOv xcd övvocazüccg itpu;
Heimsoeth (S. 78) führt unter anderen Stellen auch diese als
Beweis für seine Behauptung an, dass die Erklärung ä tout prix die
grösste Feindin der Kritik zu allen Zeiten sei. Dass diese Stelle
seiner Kritik nicht entgieng, ist nicht zu verwundern; denn bei oberflächlicher
Betrachtung scheint es allerdings, dass bei dem gegensätzlichen
Verhältnis der Verse 590 und 591 dem ävev cpößou des
ersten Verses ein Ausdruck der Furcht im zweiten Verse entsprechen
soll; da nun im zweiten Verse kein solches Wort ausdrücklich gesetzt
ist, so muss nach Heimsoeth ein solches irgendwo untergebracht
werden. Unter den vielen Ausdrücken, die eine Furcht oder
Besorgnis bezeichnen, findet sich auch öxvecv; öxvötv passt in das
Metrum und sieht dem überlieferten äxcov nicht ganz unähnlich: also
ist öxvöiv zu schreiben. Wer aber so verfährt, der sollte doch nicht
auf halbem Wege stehen bleiben, da durch diese Conjectur eine perfeete
Übereinstimmung zwischen den beiden Versen noch nicht erzielt
ist. Wenn es nun im zweiten Verse heisst xäv öxvöiv iopoov,